ADF International

Bak and Fence

Bak vs. Russia – ein möglicher Meilenstein für die Religionsfreiheit in Russland

Ein lautes Klopfen an der Tür.

Das Sonntagsgebet der Baptistengemeinde im Haus von Vitaliy Bak in Verkhnebakansky, Russland, muss unterbrochen werden. Anstatt zu beten, die Bibel zu lesen und gemeinsam Gott zu lobpreisen, halten alle den Atem an.

Vitaliy Bak, der Leiter dieser kleinen Gemeinschaft, erinnert sich daran, was als Nächstes geschah:

„Männer in Uniform stürmten das Haus,“ erzählt er. „Sie sagten, wir müssen jetzt sofort unser Sonntagsgebet beenden – alle müssen raus auf die Straße und das Haus wird komplett abgeriegelt.“

Das alles fand im April 2019 statt. Im Juli kamen die Behörden wieder und der größte Teil des Hauses wurde abgeriegelt, um die Nutzung in der Zukunft unmöglich zu machen.

Eigentlich wäre Religionsfreiheit in Russland sowohl durch die russische Verfassung als auch durch die Europäische Konvention für Menschenrechte garantiert. In der Realität halten sich staatliche Behörden nicht immer an die nationalen oder internationalen Vorgaben. So ist es Vitaliy und seiner Gemeinde als religiöse Minderheit verboten, ein Kirchengebäude zu kaufen, zu bauen oder registrieren zu lassen. Genau das ist der Grund, warum sich Vitaliy für dieses Privatgebäude entschieden hat.

„Ich habe es für mich und meine Familie gekauft, um mich hier treffen und unterhalten zu können, mit wem ich will“, sagt Bak. „Ich war an der Gründung dieser Gemeinde beteiligt. Wir haben uns hier mit Freunden und Verwandten getroffen. Hier beten wir, hier versammeln wir uns“.

„Ich liebe diesen Ort von ganzem Herzen“, sagt Elena, Baks Ehefrau, und schaukelt dabei ihr Kind in den Armen. „Hier lesen und beten wir, hier bringen wir Gott unseren Lobpreis dar. Dieser Ort liegt mir so sehr am Herzen.“

Die Behörden aber, die das Haus abgeriegelt haben, begründen ihr Vorgehen mit Verbotszonen-Gesetzen, Laut diesen soll es der Familie verboten sein, Gebetsveranstaltungen in ihrem eigenen Zuhause anzubieten. Dass dies die einzige Möglichkeit für eine religiöse Minderheit ist, sich zu treffen, wird von den Behörden nicht berücksichtigt. Wenn gemeinsames Gebet in einem Privatgebäude verboten ist, dann gibt es keine Möglichkeiten für diese Christen, gemeinsam zu beten und sich dabei rechtskonform zu verhalten. Bak hat die Entscheidung russischer Gerichte angefochten, die seine Grundrechte nicht anerkannt haben. Nun aber – als seine letzte Chance – zieht er vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

„Zum ersten Mal missbrauchen die russischen Behörden die Verbotszonen-Gesetze, um das Gebet in bestimmten Gebäuden zu untersagen – in diesem Fall in einem Privatgebäude. Das Gesetz bietet für gemeinsames Gebet aber keine andere Möglichkeit,“ erklärt Dr. Felix Boellmann, Rechtsberater in Europa für ADF International. ADF International vertritt Bak vor dem Gerichtshof. „Wir bringen diesen Fall vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, weil er diese Aufmerksamkeit verdient. Es könnte ein Präzedenzfall werden und somit vielen religiösen Gruppen in Russland helfen.“

Über die kommenden Monate ist es besonders wichtig, dass die internationale Gemeinschaft die Entwicklung in diesem Fall beobachtet. Die Entscheidung, ob Familie Bak sich mit Freunden und Verwandten zum gemeinsamen Gebet in ihrem Haus treffen darf, könnte Auswirkungen für religiöse Minderheiten in ganz Russland und möglicherweise auch in Europa haben. Die Freiheit, die eigene Religion in Gemeinschaft mit anderen auszuleben, darf nicht nur ein theoretisches Recht sein, dass auf Konferenzen und Gipfeltreffen besprochen wird.

„Ich träume davon, dass sich unsere Gemeinde treffen und sich dabei sicher und frei fühlen kann“, sagt Bak. „Ich hoffe, dass der Staat uns nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität Sicherheit garantiert. Dafür bete ich.“

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