ADF International

Gottesdiensthaus von Geheimdienst geschlossen – Russische Christen zunehmend in Bedrängnis

Juli 2018. Angeführt von einem Geheimdienst Offizier drängen sich russische Polizisten in den kleinen Saal, in dem gerade Gottesdienst gefeiert wird. Der FSB Offizier (früher bekannt als KGB) stellt sich vor die Betenden und erklärt die Versammlung für beendet. Jeder müsse sofort den Raum verlassen. Ein älteres Gemeindemitglied steht auf und lädt alle ein, weiterzusingen, der Gottesdienst soll nicht unterbrochen werden. Später wird er dafür eine Geldstrafe erhalten. Widerstand gegen die Staatsgewalt.

„Sie haben unseren Gebetsraum einfach zugesperrt“, erzählt Vitaly Bak, ein russischer Pastor einer Baptistengemeinde am schwarzen Meer. „Sie kamen in mein Haus, warfen alle raus und verboten mir es weiterhin zu benutzen. Das ist reine Willkür.“ Offiziell spricht man in dem kleinen Ort Verkhnebakansky von einer Schließung aufgrund baubehördlicher Mängel. Außerdem verstießen die nicht vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen gegen das jüngste russische Anti-Terrorgesetz. Diese formalen Begründungen überraschen Pastor Bak wenig. Schon in der Sowjetunion hätten die Autoritäten fadenscheinige Formalargumente benutzt, um Kirchen zu schließen und religiöse Gemeinschaften abzuschaffen.

Diese Gemeinde ist kein Einzelfall. Immer öfter hört man von Übergriffen auf religiöse Minderheiten. Gerade kleinere Kirchen sind betroffen. Der Report des US-Außenministeriums über Religionsfreiheit des US-Außenministeriums von 2018 zählt die Attacken auf Minderheiten auf, die aufgrund ihrer Glaubensüberzeugung verfolgt werden. Immer wieder nennt der Report die neuen Anti-Terrorgesetze als vorgestellten Grund für die rechtliche Verfolgung der Christen. Gemeinden wie jene von Pastor Bak berichten außerdem, dass diese Art der Gesetze auch dazu dienen, religiöse Texte auf eine schwarze Liste zu setzen. Generell, hindert man christliche Gemeinschaften oft daran, Land zu erwerben und Kirchen zu errichten.

Pastor Bak hat 5 Kinder. Für sie wünscht er sich, dass sie ihn einem Land aufwachsen können, in dem sie ihren Glauben frei ausleben können, ohne sich vor Verfolgung fürchten zu müssen. Die russische Verfassung gewährt allen Bürgern dieses Recht. Die Realität sieht für viele Christen in Russland allerdings anders aus. „Das Gesetz sagt, dsas ich religiöse Treffen auf meinem privaten Grundstück abhalten darf. Genau das taten wir, bis man uns zusperrte. Zuerst drohten sie uns nur mit Gerichtsverfahren und einem Abreißbeschluss. Doch dann kamen tatsächlich Geheimdienst und Polizei und sperrten unser Haus”, so Pastor Bak. Viele seiner Gemeindemitglieder wagten nun nicht mehr sich mit ihm zu treffen, da sie Konsequenzen seitens der Obrigkeit befürchten. Pastor Bak: “Mein Traum ist es, dass unsere kleine Kirche in Sicherheit gemeinsam beten darf, genau so, wie es uns die russische Verfassung verspricht.”

Die russischen Gerichte sahen bisher die Autoritäten im Recht und hielten die Sperre des Gebäudes aufrecht. Das sieht Pastor Baks Anwalt als problematisch. Felix Böllmann von ADF International besuchte die Gemeinde kürzlich. Er sieht eine klare Verletzung internationalen Rechts aufseiten der Behörden: „Die Stürmung und Schließung des Gebäudes der christlichen Gemeinschaft rund um Pastor Bak ist ein gefährliches Signal für die restlichen Kirchen in Russland. Das Haus war der einzige Ort, an dem die Gruppe sich treffen konnte. Deshalb bringen wir diesen Fall nun vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg“, so Böllmann. Der Europäische Gerichtshof schützt Menschenrechte in 47 Ländern inklusive Russland. Mehr als 800 Millionen Menschen unterstehen dessen Urteil. Böllmann hofft, dass damit ein positiver Präzedenzfall geschaffen wird und Russland seine Politik gegenüber christlichen Minderheiten ändert: „Niemand soll aufgrund seines Glaubens verfolgt werden.“

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