{"id":88404,"date":"2021-06-01T13:07:14","date_gmt":"2021-06-01T13:07:14","guid":{"rendered":"https:\/\/adfinextstg.wpenginepowered.com\/?post_type=case&#038;p=88404"},"modified":"2026-05-19T15:26:00","modified_gmt":"2026-05-19T15:26:00","slug":"tom-mortier-belgien-de","status":"publish","type":"case","link":"https:\/\/adfinternational.org\/de\/fall\/tom-mortier-belgien-de\/","title":{"rendered":"Tom Mortier"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-zusammenfassung-des-falls\">Zusammenfassung des Falls<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nichts h\u00e4tte Tom Mortier auf den Anruf vorbereiten k\u00f6nnen, den seine Familie im April 2012 erhalten sollte. Es war das \u00f6rtliche Krankenhaus, das bat, die Leiche seiner Mutter abzuholen. Sie habe auf eigenen Wunsch eine t\u00f6dliche Injektion erhalten. Tom war geschockt. Seine Mutter hatte ihr Leben lang mit schweren Depressionen zu k\u00e4mpfen und der Kontakt zwischen den beiden war immer wieder unterbrochen. Doch er hatte nicht die leiseste Ahnung, dass sie \u00fcberhaupt an Sterbehilfe gedacht hatte.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWeder der Onkologe, der die Injektion verabreichte, noch das Krankenhaus hatten zu mir oder meinen Geschwistern Kontakt aufgenommen. Erst, als es zu sp\u00e4t war.\u201c<\/p>\n\n\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-gesetzliche-lage\">Gesetzliche Lage<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Belgien wurde Sterbehilfe im Mai 2002 legalisiert. Unter der Voraussetzung, dass sich die Person in einem medizinisch aussichtslosen Zustand befinde. Es wurde als M\u00f6glichkeit, unertr\u00e4gliches Leiden zu beenden, dargestellt und man versprach, die Praxis sinnvoll zu regulieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Toms Geschichte zeigt, dass diese Versprechen nicht gehalten werden. Seine Mutter war k\u00f6rperlich gesund und ihr, sie \u00fcber 20 Jahre lang behandelnder, Psychiater, erkl\u00e4rte, dass sie die Anforderungen des belgischen Euthanasie-Gesetzes nicht erf\u00fcllte. Schlimm genug, dass eine k\u00f6rperlich gesunde Frau, entgegen dem Rat ihres eigenen Arztes, get\u00f6tet werden kann. Wirft man einen genaueren Blick auf die Details des Falles, erweist er sich sogar als noch verheerender: Der Arzt Wim Distelmans, der die t\u00f6dliche Injektion verabreicht hat, sitzt selbst in der Regierungsbeh\u00f6rde, die pr\u00fcft, ob die gesetzlichen Anforderungen in jedem Euthanasie-Fall eingehalten werden. Er gilt als Euthanasie-Experte und ausgesprochener Bef\u00fcrworter.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-keine-ausnahme\">Keine Ausnahme<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Belgien hat mit seinem liberalen Sterbehilfegesetz einen Weg eingeschlagen, der den Schwachen und Verletzlichen der Gesellschaft suggeriert, ihr Leben w\u00e4re nicht lebenswert. Die Zahl der Todesf\u00e4lle durch Sterbehilfe steigt seit der Legalisierung laufend an, und keiner der 8000 F\u00e4lle, die der Regierungsbeh\u00f6rde gemeldet wurden, wurde als verd\u00e4chtig eingestuft. Ganz im Gegensatz zu den Versprechungen der Regierung, scheinen die einzelnen F\u00e4lle nur ungen\u00fcgend gepr\u00fcft zu werden. Die Anforderungen sind so niedrig, dass bereits eine Verschlechterung des H\u00f6rens, Sehens oder der Mobilit\u00e4t gesetzlich als \u201eunertr\u00e4gliches Leid\u201c angesehen werden kann. Was die meisten als normales Altern bezeichnen, qualifiziert die Patienten somit f\u00fcr Sterbehilfe. Laut dem j\u00fcngsten Regierungsbericht werden mindestens sechs Menschen pro Tag auf diese Weise get\u00f6tet. Studien deuten auf eine noch h\u00f6here Dunkelziffer hin. 2016 wurde das erste Kind euthanisiert. Man kann hier nicht l\u00e4nger von Ausnahmen sprechen. Euthanasie wird zur Norm.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-keine-kontrolle\">Keine Kontrolle<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie Tatsachen in diesem Fall und die gesetzlichen Bestimmungen in Belgien liegen so weit auseinander, dass eines deutlich wird. Sterbehilfe kann man nicht regulieren, wenn man sie legalisiert\u201c, sagte Robert Clarke, Anwalt von ADF Inernational. \u201eDie j\u00fcngste Ausweitung der Sterbehilfe auf Kinder ohne Mindestalter zeigt, warum es f\u00fcr den Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte von wesentlicher Bedeutung ist, dass Belgien das Recht seiner B\u00fcrger auf Leben sch\u00fctzt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-fall-vor-h-chstgericht\">Fall vor H\u00f6chstgericht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem sich die belgischen Beh\u00f6rden weigerten, seinen Fall zu verfolgen, vertritt ADF International Tom Mortier nun vor dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte. Die Argumentation beruht darauf, dass Belgien das Recht seiner Mutter auf Leben nicht angemessen gesch\u00fctzt hat. Im Januar 2019 stimmte das Gericht zu, den Fall zu pr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-recht-auf-leben\">Recht auf Leben<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDas gro\u00dfe Problem unserer Gesellschaft ist, dass wir wohl nicht mehr wissen, was es bedeutet, sich um den anderen zu k\u00fcmmern\u201c, sagte Tom Mortier. Letztendlich werde eine Gesellschaft danach beurteilt, wie sie mit ihren Schw\u00e4chsten umgeht. Die Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte stellt klar, dass jeder ein Recht auf Leben hat, ungeachtet seines geistigen oder k\u00f6rperlichen Zustands. Ein Recht, das von keiner Regierung untergraben oder ausgel\u00f6scht werden darf.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammenfassung des Falls Nichts h\u00e4tte Tom Mortier auf den Anruf vorbereiten k\u00f6nnen, den seine Familie im April 2012 erhalten sollte. Es war das \u00f6rtliche Krankenhaus, das bat, die Leiche seiner Mutter abzuholen. 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