{"id":86890,"date":"2025-10-13T22:36:52","date_gmt":"2025-10-13T20:36:52","guid":{"rendered":"https:\/\/adfinternational.org\/artikel\/turkiye-labels-christians-as-national-security-threats-to-justify-mass-expulsions"},"modified":"2026-07-07T10:01:16","modified_gmt":"2026-07-07T10:01:16","slug":"die-tuerkei-bezeichnet-christen-als-bedrohung-fuer-die-nationale-sicherheit-um-massenausweisungen-zu-rechtfertigen","status":"publish","type":"press_release","link":"https:\/\/adfinternational.org\/de\/news\/die-tuerkei-bezeichnet-christen-als-bedrohung-fuer-die-nationale-sicherheit-um-massenausweisungen-zu-rechtfertigen\/","title":{"rendered":"Die T\u00fcrkei bezeichnet Christen als \u2018Bedrohung f\u00fcr die nationale Sicherheit\u2019, um Massenausweisungen zu rechtfertigen."},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>Juristin von ADF International spricht auf der OSZE-Konferenz zur menschlichen Dimension in Warschau<\/li>\n<p><\/p>\n<li>Europ\u00e4ischer Gerichtshof wird \u00fcber wegweisenden Fall zur Glaubensfreiheit in der T\u00fcrkei entscheiden<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Warschau (13. Oktober 2025)<\/strong> \u2013 Auf der OSZE-Menschenrechtskonferenz in Warschau warnte Lidia Rieder, Juristin bei ADF International, dass die t\u00fcrkische Regierung unter dem Vorwand der \u201enationalen Sicherheit\u201c systematisch gegen Christen vorgehe, Hunderte ausl\u00e4ndische Gl\u00e4ubige ausweise und dadurch lokale Gemeinden ohne geistliche Leitung zur\u00fccklasse.<\/p>\n<blockquote>\n<p>\n\t\t\t\t&#8222;Die Einstufung friedlicher christlicher Einwohner als  \u2018Sicherheitsrisiko\u2019 durch die T\u00fcrkei ist ein klarer Missbrauch des Gesetzes und ein Angriff auf die Religions- und Glaubensfreiheit.\u201c\n\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<cite>&#8211; Lidia Rieder, Juristin bei ADF International<\/cite>\n\t\t\t\t\t<\/p><\/blockquote>\n<p><em>\u201cDie Einstufung friedlicher christlicher Einwohner als \u2018 Sicherheitsrisiko\u2019 durch die T\u00fcrkei ist ein klarer Missbrauch des Gesetzes und ein Angriff auf die Religions- und Glaubensfreiheit\u201c, sagt Rieder unter Verweis auf den wegweisenden Fall Wiest v. T\u00fcrkiye (deutsch: Wiest gegen die T\u00fcrkei), der derzeit vor dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR) verhandelt wird. \u201cWenn Regierungen Verwaltungs- oder Einwanderungssysteme manipulieren, um Menschen allein aufgrund ihres Glaubens auszuschlie\u00dfen, untergr\u00e4bt dies sowohl die Rechtsstaatlichkeit als auch die Grunds\u00e4tze der Toleranz und des friedlichen Zusammenlebens, zu deren Schutz die OSZE gegr\u00fcndet wurde.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Christen aufgrund von \u2018Sicherheitscodes\u2019 ausgewiesen<\/strong><\/p>\n<p>Seit 2020 wurden mehr als 200 ausl\u00e4ndische christliche Arbeiter und ihre Familien \u2013 insgesamt etwa 350 Personen \u2013 aus der T\u00fcrkei ausgewiesen, von denen viele seit Jahrzehnten dort gelebt hatten. Das Innenministerium hat diesen Personen sogenannte \u2018Sicherheitscodes\u2019 wie N-82 und G-87 zugewiesen, die eine Wiedereinreise effektiv verhindern und sie als nationale \u2018Sicherheitsbedrohung\u2019 einstufen.<\/p>\n<p>Zwischen Dezember 2024 und Januar 2025 allein sollen mindestens 35 neue Codes gegen ausl\u00e4ndische Christen verh\u00e4ngt worden sein. Diese Ma\u00dfnahmen haben zahlreiche protestantische Gemeinden ihrer seelsorgerlichen Leitung beraubt und das religi\u00f6se Leben im ganzen Land erheblich beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n<p>ADF International unterst\u00fctzt derzeit \u00fcber 30 Gerichtsverfahren von Christen, die diese willk\u00fcrlichen Einreiseverbote vor dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte und den t\u00fcrkischen Gerichten anfechten.<\/p>\n<p><strong>Rechtliche Doppelmoral und Diskriminierung<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit in der t\u00fcrkischen Verfassung verankert ist, zeigt die Regierungspraxis ein anderes Bild. Einreiseverbote und Abschiebungen werden zunehmend als Instrument eingesetzt, um ausl\u00e4ndische christliche Mitarbeiter zum Schweigen zu bringen, w\u00e4hrend die theologische Ausbildung weiterhin stark eingeschr\u00e4nkt ist \u2013 das historische Halki-Seminar bleibt geschlossen, und protestantischen Seminaren wird nach wie vor die rechtliche Anerkennung verweigert. Bibelunterricht ist auch verboten, w\u00e4hrend islamische Theologiekurse unter staatlicher Aufsicht frei angeboten werden d\u00fcrfen. Zudem werden Kirchengemeinden mit ungerechten Beschr\u00e4nkungen ihres Eigentums konfrontiert; so wurde etwa die protestantische Gemeinde von Bursa gezwungen, ihr seit Langem genutztes Gotteshaus zu verlassen. Insgesamt zeichnen diese Ma\u00dfnahmen das Bild einer systematischen Diskriminierung von Christen \u2013 im klaren Widerspruch zu den Artikeln 9 und 14 der Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention und zu den Grundrechten, die die t\u00fcrkische Verfassung selbst garantiert.<\/p>\n<p><strong><em>Ein Lackmustest f\u00fcr die Glaubensfreiheit<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das bevorstehende Urteil im Fall Wiest v. T\u00fcrkiye (deutsch: Wiest gegen die T\u00fcrkei) d\u00fcrfte einen wichtigen Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr den Schutz der Glaubensfreiheit in Europa und dar\u00fcber hinaus schaffen. Herr Wiest, ein US-amerikanischer Staatsb\u00fcrger, der mehr als 30 Jahre lang rechtm\u00e4\u00dfig in der T\u00fcrkei lebte, erhielt ein Wiedereinreiseverbot, ohne dass es irgendwelche Beweise f\u00fcr ein Fehlverhalten gegeben h\u00e4tte. Sein Fall steht stellvertretend f\u00fcr eine wachsende Zahl von Gl\u00e4ubigen, die allein wegen der friedlichen Aus\u00fcbung ihres Glaubens verfolgt oder bestraft werden.<\/p>\n<p><em>\u201cGlaubensfreiheit kann nicht bestehen, wenn Gl\u00e4ubige in st\u00e4ndiger Angst vor Ausweisung leben m\u00fcssen, nur weil sie ihren Glauben praktizieren\u201c, erkl\u00e4rte Rieder weiter. \u201cDie OSZE und ihre Teilnehmerstaaten haben sich zur F\u00f6rderung von Toleranz und zur Bek\u00e4mpfung von Diskriminierung verpflichtet. Diese Verpflichtungen m\u00fcssen nicht nur mit Worten, sondern auch durch konkrete Taten eingel\u00f6st werden.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>ADF International ruft zum Handeln auf<\/strong><\/p>\n<p>In ihrer Rede rief Lidia Rieder im Namen von ADF International die Teilnehmerstaaten dazu auf, konkrete Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um ihre Verpflichtungen zur Religions- und Glaubensfreiheit einzuhalten. Dazu z\u00e4hlen die vollst\u00e4ndige Umsetzung der OSZE- und internationalen Verpflichtungen zur F\u00f6rderung religi\u00f6ser Toleranz, die Verhinderung des Missbrauchs von Verwaltungs- und Sicherheitsmechanismen zur Marginalisierung oder Ausweisung religi\u00f6ser Minderheiten sowie die Gew\u00e4hrleistung von Rechenschaftspflicht und wirksamen Rechtsmitteln f\u00fcr Opfer von Diskriminierung. Die Organisation fordert zudem die sofortige Aufhebung diskriminierender Einreiseverbote und Sicherheitskennzeichnungen, die Menschen ausschlie\u00dflich aufgrund ihres christlichen Glaubens treffen. Wahre Toleranz, so betonte Rieder, zeige sich nicht in Worten, sondern in konkreten Handlungen, die den Schutz und die Rechte aller Gl\u00e4ubigen sicherstellen.<\/p>\n<p>Obwohl die t\u00fcrkische Verfassung die Religionsfreiheit garantiert, hat der wachsende religi\u00f6se Nationalismus zu einer systematischen Beschr\u00e4nkung der Rechte religi\u00f6ser Minderheiten gef\u00fchrt. Christliche Gemeinschaften sind von zunehmenden Einschr\u00e4nkungen bei Gottesdiensten, Bildungseinrichtungen und kirchlicher Leitung betroffen und stehen unter dauerhafter staatlicher Beobachtung sowie dem Risiko willk\u00fcrlicher Abschiebungen.<\/p>\n<p>ADF International setzt sich weiterhin f\u00fcr die Rechte von Christen in der T\u00fcrkei und weltweit ein \u2013 in der \u00dcberzeugung, dass Glaubensfreiheit die Grundlage jeder freien Gesellschaft bildet.<\/p>\n<p>Bilder zur kostenlosen Verwendung in Print- oder Online-Medien ausschlie\u00dflich im Zusammenhang mit dieser Geschichte<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/adfinternational.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/OSCE.png\" data-elementor-open-lightbox=\"yes\" data-elementor-lightbox-slideshow=\"4339a43e\" data-elementor-lightbox-title=\"OSCE\" data-e-action-hash=\"#elementor-action%3Aaction%3Dlightbox%26settings%3DeyJpZCI6Nzg0ODksInVybCI6Imh0dHBzOlwvXC9hZGZpbnRlcm5hdGlvbmFsLm9yZ1wvd3AtY29udGVudFwvdXBsb2Fkc1wvMjAyNVwvMTBcL09TQ0UucG5nIiwic2xpZGVzaG93IjoiNDMzOWE0M2UifQ%3D%3D\"><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/a><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/adfinternational.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Lidia-OSCE.png\" data-elementor-open-lightbox=\"yes\" data-elementor-lightbox-slideshow=\"4339a43e\" data-elementor-lightbox-title=\"Lidia OSCE\" data-e-action-hash=\"#elementor-action%3Aaction%3Dlightbox%26settings%3DeyJpZCI6Nzg0ODMsInVybCI6Imh0dHBzOlwvXC9hZGZpbnRlcm5hdGlvbmFsLm9yZ1wvd3AtY29udGVudFwvdXBsb2Fkc1wvMjAyNVwvMTBcL0xpZGlhLU9TQ0UucG5nIiwic2xpZGVzaG93IjoiNDMzOWE0M2UifQ%3D%3D\"><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/a><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/adfinternational.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Lidia-Rieder_2022_ATM_Smiling_2.jpg\" data-elementor-open-lightbox=\"yes\" data-elementor-lightbox-slideshow=\"4339a43e\" data-elementor-lightbox-title=\"Photo Taken At The 2022 ATM By Jen Ingeneri\" data-e-action-hash=\"#elementor-action%3Aaction%3Dlightbox%26settings%3DeyJpZCI6NzMyMjcsInVybCI6Imh0dHBzOlwvXC9hZGZpbnRlcm5hdGlvbmFsLm9yZ1wvd3AtY29udGVudFwvdXBsb2Fkc1wvMjAyNVwvMDVcL0xpZGlhLVJpZWRlcl8yMDIyX0FUTV9TbWlsaW5nXzIuanBnIiwic2xpZGVzaG93IjoiNDMzOWE0M2UifQ%3D%3D\"><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juristin von ADF International spricht auf der OSZE-Konferenz zur menschlichen Dimension in Warschau<br \/>\nEurop\u00e4ischer Gerichtshof wird \u00fcber wegweisenden Fall zur Glaubensfreiheit in der T\u00fcrkei entscheiden<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":78502,"template":"","meta":{"give_campaign_id":0,"pr_treatment":"warm"},"tags":[64,436,435,209],"class_list":["post-86890","press_release","type-press_release","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","tag-de","tag-ehe-und-familie","tag-religionsfreiheit-de","tag-tuerkei"],"press_release_related_tags":false,"press_release_related_campaign":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/adfinternational.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/press_release\/86890","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/adfinternational.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/press_release"}],"about":[{"href":"https:\/\/adfinternational.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/press_release"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/adfinternational.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/adfinternational.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/press_release\/86890\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/adfinternational.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/78502"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/adfinternational.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=86890"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/adfinternational.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=86890"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}