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Wieder kein Termin: Nigerias Oberstes Gericht lässt Musiker in Haft – Todesstrafe wegen „Blasphemie“ droht

  • Der Oberste Gerichtshof vertagt die Anhörung im Fall von Yahaya Sharif-Aminu, einem jungen Sufi-Musiker, der seit über sechs Jahren wegen Blasphemie-Vorwürfen im Gefängnis sitzt. 
  • ADF International (ADFI) fordert die Freilassung von Sharif-Aminu, die Aufhebung der Blasphemie-Gesetze und drängt den Gerichtshof sowie internationale Gremien, unverzüglich zu handeln. 

Wien/Abuja, 25. Juni 2026 – Der Oberste Gerichtshof Nigerias hat die für Ende Juni angesetzte Anhörung im Fall des Sufi-Musikers Yahaya Sharif-Aminu kurzfristig abgesagt – ohne neuen Termin. Sharif-Aminu sitzt seit über sechs Jahren wegen angeblicher Blasphemie in Haft. Er könnte aufgrund selbst verfasster Liedtexte hingerichtet werden. ADF International fordert die sofortige Neuansetzung der Anhörung und die Abschaffung der extremen Blasphemiegesetze im Norden des Landes.

Die Anhörung sollte das Datum für die mündlichen Verhandlungen festlegen, in denen die Verfassungsmäßigkeit der Todesstrafenregelung geprüft wird. Obwohl alle Schriftsätze vorlagen und Verfahren mit drohender Hinrichtung Vorrang haben, strich das Gericht den Termin wenige Tage zuvor – ein weiterer Rückschlag nach jahrelangen Verzögerungen. Bei ihrem kürzlichen Besuch in Nigeria im Juni kritisierte die UN-Sonderberichterstatterin Nazila Ghanea das Gesetz des Bundesstaates Kano als eine „Abkehr von verfassungsmäßig garantierten Grundrechten“.

„Jede Verzögerung in Sharif-Aminus Fall bedeutet einen weiteren Tag, den er hinter Gittern verbringen muss – nur weil er seinen Glauben friedlich in Liedtexten geäußert hat. Yahaya sitzt seit über sechs Jahren im Gefängnis. Niemand sollte wegen seines Glaubens in einer Zelle schmachten oder mit dem Tod rechnen müssen. Wenn Nigeria als ein Land wahrgenommen werden möchte, das Religions- und Meinungsfreiheit wirklich schützt, muss es diese Blasphemiegesetze abschaffen,"

Jede Verzögerung ist auch ein weiterer Tag, an dem eines der gefährlichsten Blasphemiegesetze der Welt weiter besteht und durchgesetzt wird,“ fügt der internationale Menschenrechtsexperte hinzu. ADF International unterstützt Sharif-Aminu seit 2022 und setzt sich gegen Blasphemiegesetze ein, die Minderheiten – muslimische wie christliche – seit Jahren gefährden.

Nigeria hat eines der schärfsten Blasphemiegesetze  

Sharif-Aminu wurde 2020 festgenommen, nachdem er Liedtexte über WhatsApp geteilt hatte. Sie wurden als „blasphemisch“ eingestuft. Ein Mob brannte das Haus seiner Familie nieder, ein Scharia-Gericht verurteilte ihn ohne Rechtsbeistand zum Tod. 2021 hob der Oberste Gerichtshof des nigerianischen Bundesstaates Kano das Urteil wegen gravierender Verfahrensfehler auf, ordnete jedoch eine Neuverhandlung unter demselben Gesetz an. Seit der Berufung 2022 befindet sich Sharif-Aminu in Haft. 

Nigeria gehört zu den sieben Ländern weltweit, die Blasphemie mit dem Tod bestraft. Die Absage der Anhörung des Sufi Musikers Ende Juni 2026 wurde mit einer angeblich neuen Verwaltungsvorgabe begründet. Kola Alapinni, Sharif-Aminus Hauptverteidiger, kritisiert die erneute Verzögerung und fordert die Abschaffung der Todesstrafenregelung sowie die sofortige Neuansetzung der Anhörung. 

Internationale Kritik an Nigeria wächst  

Der Fall hat weltweit Aufmerksamkeit erregt: Das Europäische Parlament verabschiedete bereits zweimal seit 2023 Dringlichkeitsentschließungen zu Sharif-Aminu. Die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen (WGAD) stellte 2024 fest, dass Nigeria im Fall von Sharif-Aminu internationale Menschenrechte verletzt. Das oberste Gericht der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) forderte letztes Jahr mit Hinweis auf den Fall des Sufi-Musikers die Aufhebung der Blasphemiegesetze. Sie werden als ein besonderes Instrument der Unterdrückung von Religionsfreiheit genutzt, wie Dr. Felix Böllmann zuletzt auf einer Pressekonferenz in Wien hervorhob:  

„Blasphemiegesetze sind ein Hebel, um Vertreter religiöser Minderheiten öffentlich zu kriminalisieren. Wenn wir dem nicht stärker und dauerhaft widersprechen, ermutigt dies weitere Staaten, Blasphemiegesetze weiter willkürlich einzusetzen,“

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