Pressemitteilung

Das höchste pakistanische Gericht verhandelt über das Schicksal der 13-jährigen entführten Christin Maria Shahbaz.

  • Das Oberste pakistanische Gericht verhandelt den Fall der 13-jährigen Maria Shahbaz. Zu Jahresbeginn war ihr Sorgerecht dem 30-jährigen Entführer zugesprochen worden. 
  • Alliance Defending Freedom unterstützt das Verfahren und hofft, dass es ein Präzedenzfall zum Schutz junger Mädchen vor Zwangsheirat und Zwangskonversion wird. 

ISLAMABAD (19 Juli 2026) — In Pakistan wird das Bundesverfassungsgericht (FCC) am 24. Juli einen Revisionsantrag im Fall von Maria Shahbaz verhandeln. Das FCC ist das höchste Gericht in Pakistan, das Verfassungsangelegenheiten verhandelt. Die Anhörung folgt auf ein früheres Urteil des Gerichts, mit dem das Sorgerecht für die 13-jährige Maria Shahbaz an ihren 30-jährigen Entführer, Shehryar Ahmad, zurückgegeben wurde. Der Ausgang des Verfahrens könnte einen Präzedenzfall schaffen, der einen stärkeren Schutz vor Kinderheirat in Pakistan einleitet, glaubt die internationale Menschenrechtsorganisation.

„In ganz Pakistan ist das Muster aus Entführungen, Zwangskonversionen und erzwungenen Ehen minderjähriger Mädchen mit deutlich älteren Männern alarmierend. Jedes Jahr werden Hunderte von Mädchen Opfer solcher Scheinehen – sie verlieren ihre persönliche Freiheit und sind Ausbeutung und Missbrauch ausgesetzt. Maria Shahbaz ist erst 13 Jahre alt und hoch traumatisiert durch das, was sie durchgemacht hat. Das höchste pakistanische Gericht muss nun das Richtige tun: Es muss ihr die Freiheit zusprechen, Täter bestrafen und einen Präzedenzfall schaffen, der schutzbedürftige junge Mädchen vor solchen grauenhaften Taten bewahrt.“

— Tehmina Arora, Direktorin der Rechtsabteilung in Asien

Alliance Defending Freedom setzt sich seit vielen Jahren für die Opfer von Kinderehen und Zwangskonversion ein. Sie treffen vor allem Angehörige religiöser Minderheiten, darunter Hindus und Christen. “Kein Kind darf in eine Scheinehe gezwungen noch seiner Grundrechte und seiner Religionsfreiheit beraubt werden,” betont Arora. 

Unlängst hatte das Europäische Parlament den Fall Shahbaz in einer neu verabschiedeten Entschließung aufgegriffen. Darin fordern die Abgeordneten Marias Rückkehr zu ihrer Familie und verurteilen Kindesentführungen sowie Zwangsehen in Pakistan.

Hintergrund

Maria Shahbaz wuchs in Pakistan in einem christlichen Elternhaus auf. Vor einem Jahr wurde sie vom 30-jährigen Shehryar Ahmad entführt, zur Abkehr von ihrem Glauben gezwungen und gegen ihren Willen mit ihm verheiratet. Seitdem ist sie schwerem Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt. 

Im Dezember 2025 landete Marias Fall vor dem Bundesverfassungsgericht Pakistans. Ihre Familie hoffte auf Freilassung. Doch zwei Monate später kam die Ernüchterung: Das Gericht sprach das Sorgerecht ausgerechnet jenem Mann zu, der Maria entführt hatte und lieferte sie damit weiterem Missbrauch aus. Alliance Defending Freedom erfuhr weitere Details:

„Eine Untersuchung hatte längst belegt, dass Maria minderjährig und ihre Heiratsurkunde gefälscht war. Ihr Alter aber prüften die Richter nicht, obwohl das pakistanische Recht sie dazu verpflichtet hätte.“

— Tehmina Arora, Direktorin der Rechtsabteilung in Asien

Ein Muster, das sich Jahr für Jahr wiederholt, nicht nur in Pakistan 

Maria ist kein Einzelfall. Jedes Jahr werden in Pakistan mehr als 1.000 minderjährige Mädchen zur Konversion und zur Heirat gezwungen. Ähnliche Fälle sind auch aus anderen Ländern bekannt, so etwa in Ägypten und Nigeria. Der Ablauf ist fast immer gleich: nach der Entführung, werden Heirats- und Konversionspapiere gefälscht. 

„Sie dienen vor Gericht als Vorwand, um der Familie den Zugang zu ihrem Kind zu verwehren. Oft spielen lokale Behörden mit, und immer wieder versäumen es Gerichte, das Kinderehen-Einschränkungsgesetz durchzusetzen, das das Heiratsalter für Mädchen auf 18 Jahre festlegt.“

— Tehmina Arora, Direktorin der Rechtsabteilung in Asien

Alliance Defending Freedom hat bereits Dutzende betroffene Mädchen unterstützt – in einigen Fällen gelang dadurch wieder der Weg in die Freiheit. Reeha Saleem z. B. war 16, als ein Nachbar sie auf dem Heimweg von der Schule im Distrikt Gujrat entführte. Vier Männer verschleppten sie an einen unbekannten Ort, misshandelten sie und zwangen sie zur Ehe mit einem der Täter. Nach zwei Monaten des Missbrauchs gelang ihr die Flucht, doch weil sie formal weiterhin als „verheiratet“ galt, verweigerte ihr die Polizei den Schutz. Erst 2024 erklärte ein Gericht in Pattoki die Ehe für nichtig. 

Auch die damals 14-jährige Maira wurde zwangsverheiratet und gegen ihren Willen aus der christlichen Gemeinschaft herausgerissen. Dem Entführer, der sie misshandelt, erpresst und zur Konversion gezwungen hatte, konnte sie zwar entfliehen. Doch ein Gericht ordnete anschließend an, Maira zunächst an ihren Entführer “zurückzugeben”. Erst durch rechtlicher Unterstützung von Alliance Defending Freedom konnte sie wieder zu ihrer Familie zurückkehren. 

Interventionen von Menschenrechtsorganisationen zeigen Wirkung 

Zuletzt hat Pakistan bemerkenswerte Schritte unternommen. In diesem Jahr verabschiedete Punjab – die größte Provinz des Landes – den Punjab Child Marriage Restraint Act, der das Mindestheiratsalter auf 18 Jahre anhebt. Das Gesetz verpflichtet Gerichte zudem, in Ehesachen das Kindeswohl an die erste Stelle zu setzen. Die Reform kommt zu einem Zeitpunkt, da sich Warnungen weltweit intensivieren – auch von UN-Experten und Abgeordneten des Europäischen Parlaments, sowie einigen britischen Parlamentariern. 

Das Wiener Büro von Alliance Defending Freedom hat darüber regelmäßig detailliert informiert und mit Partnern für Unterstützung gesorgt.  

„Jetzt sehen wir, dass jede Anstrengung lohnt. Seit 2019 haben wir über 50 Mädchen aus Zwangsehen befreit – darunter 14 minderjährige Christinnen, die wir aus sexueller Sklaverei herausgeholt und deren Zwangskonversion wir aufgehoben haben. Jedes dieser Kinder hat um Leben und Würde kämpfen müssen. Diese Erfolge zeigen: Wenn wir hinschauen und handeln, kann sich viel verändern.Wir dürfen allerdings nicht aufhören, das Unrecht wahrzunehmen und müssen öffentlich Korrekturen einfordern. Dazu brauchen wir noch mehr partei- und länderübergreifende Mitstreiter.“

— Dr. Felix Böllmann, Leiter der Europäischen Rechtsabteilung