Nigeria: Gericht gibt verfolgter Christin recht
NIGERIA (11 August 2026) —Die islamische „Religionspolizei“ im nigerianischen Bundesstaat Kano hatte kein Recht, eine junge Konvertitin zum Christentum zu verhaften. Das entschied ein Bundesgericht des bevölkerungsreichsten afrikanischen Staates in erster Instanz.
Die heute 22-jährige Sarah (Name aus Sicherheitsgründen geändert) war 2025 aus ihrem Elternhaus vor ihren älteren Geschwistern geflohen. Diese hatten sie nach dem Tod ihrer Eltern misshandelt und versucht, sie gegen ihren Willen zur Heirat zu zwingen. Sarah hatte daraufhin Zuflucht bei einer christlichen Familie gefunden und selbst den Glauben an Jesus Christus angenommen. Auf Drängen ihrer Geschwister wurde Sarah daraufhin von der örtlichen Religionspolizei vier Tage lang inhaftiert, mehrfach geschlagen und unter Druck gesetzt, die vorbereitete Zwangsehe einzugehen.
Mithilfe der christlichen Menschenrechtsorganisation Alliance Defending Freedom wehrte sich Sarah dagegen vor Gericht. Mit Erfolg: Im Urteil vom 26. Mai 2026 heißt es, das Vorgehen der Religionspolizei stelle eine gravierende Verletzung der Menschenwürde und Religionsfreiheit dar. Das Gericht ordnete zudem eine finanzielle Entschädigung an. ADF-Anwalt Sean Nelson hofft auf eine Signalwirkung dieser Entscheidung, um besonders Christen und religiöse Minderheiten besser vor Übergriffen der islamischen Religionspolizei zu schützen.
Die Familie, die der jungen Frau Unterschlupf gewährte, wird nach wie vor beschuldigt, Sarah entführt zu haben. Sie wird ebenfalls von ADF unterstützt und befindet sich derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß. Sarah selbst betont ihre Dankbarkeit gegenüber der Familie und sieht sich angesichts ihres eigenen Urteils bestärkt:
„Ich verstoße nicht gegen das Gesetz, indem ich mich für den Glauben an Jesus entscheide.“
— Sarah
Hintergrund
Alliance Defending Freedom setzt sich seit langem für Christen und andere religiöse Minderheiten ein, die in Nigeria – einem der gefährlichsten Länder der Welt für Christen – Verfolgung ausgesetzt sind. Jedes Jahr werden Tausende wegen ihres Glaubens getötet.
Aufgrund der weit verbreiteten religiösen Gewalt, vor allem im Norden des Landes, sind Christen und andere religiöse Minderheiten mit Blasphemiegesetzen, Morddrohungen, Verstößen gegen rechtsstaatliche Verfahren und der Zerstörung von Eigentum durch gewalttätige Mobs konfrontiert. In mehreren nördlichen Bundesstaaten, darunter Kano, sind als „Hisbah“ bekannte Einheiten der Religionspolizei im Einsatz, um die Scharia durchzusetzen. Dabei nehmen sie verstärkt christliche Konvertiten und Familien, die sie unterstützen, ins Visier.
Alliance Defending Freedom unterstützt zahlreiche Christen in Nigeria juristisch, damit sie ihren Glauben frei und friedlich leben können. Dazu gehört auch Rhoda Jatau, eine christliche Mutter, die 19 Monate im Gefängnis verbringen musste, nachdem sie beschuldigt worden war, ein Video geteilt zu haben, in dem die Ermordung der christlichen Studentin Deborah Emmanuel Yakubu verurteilt wurde. Im Dezember 2024 wurde sie rechtskräftig freigesprochen. Einen Freispruch gab es im Jahr 2025 auch für David (Name aus Sicherheitsgründen geändert). Er wurde verhaftet und gefoltert, weil er verfolgten christlichen Konvertiten bei der Flucht vor Gewalt geholfen hatte. Diese und weitere Siege vor Gericht sind ein wichtiger Baustein für eine Wende hin zu mehr Freiheit und Sicherheit für Christen Nigeria.