UN-Alarm zu Gewalt gegen Christinnen in Nigeria
- UN-Experten prangern verstärkt Muster religiös motivierter Gewalt an, die unter Christen vor allem Frauen und Mädchen trifft
- Alliance Defending Freedom (ADF) International mahnt Nigerias vertragliche Pflichten an, die Religionsfreiheit zu gewährleisten und Täter zu bestrafen.
GENF/WIEN (17. Juli 2026) – Fünf UN-Sonderberichterstatter prangern in einem Text an die nigerianische Regierung ein klares Muster religiös motivierter Gewalt an, das christliche Gemeinschaften im Norden und im Mittleren Gürtel Nigerias besonders trifft. Frauen und Mädchen seien einem „erhöhten Risiko religiös motivierter Angriffe radikalislamistischer Milizen“ ausgesetzt – einschließlich Entführungen, Zwangskonversionen, Kinderheirat und sexueller Gewalt. Auch in Lagern für Binnenvertriebene seien Christinnen stark gefährdet.
Die Experten kritisieren, Nigeria missachte weiterhin internationale Verpflichtungen zum Schutz von Religionsfreiheit und Sicherheit. Blasphemie-Gesetze und lokale Scharia-Auslegungen verschärften das Klima der Gewalt. Behörden ließen Täter gewähren und versäumten es, Verbrechen zu untersuchen und Opfer zu schützen.
Kalkulierte Brutalität gegen Frauen und Mädchen
„Christen, insbesondere Frauen und Mädchen, sowie andere religiöse Minderheiten sind schwerwiegenden und systematischen Gräueltaten durch bewaffnete militante Gruppen ausgesetzt. Sie operieren in Teilen Nigerias seit langem ungestraft. Die internationale Öffentlichkeit hat zu lange weitgehend geschwiegen, während sich die Krise verschärfte.
Dass sich Experten aus fünf UN-Mechanismen zusammengeschlossen haben, ist ein bedeutender Schritt. Wir hoffen nicht nur auf mehr internationale Aufmerksamkeit für diese systematischen Verstöße. Es geht auch darum, die Ursachen dafür – wie z. B. diskriminierende rechtliche Rahmenbedingungen in dem Staat – umfassend anzugehen.“
— Giorgio Mazzoli, Direktor der Rechtsabteilung für die Vereinten Nationen
Nigeria: Weltweiter Hotspot für Christenverfolgung
Alliance Defending Freedom (ADF) International fordert die Regierung auf, diesen Moment für dringend notwendige Sicherheits- und Rechtsreformen zu nutzen. „Wir begrüßen die Bemühungen der UN-Experten und ermutigen die Nigerianische Regierung, diesen Moment zu nutzen, um dringend Sicherheits- und Rechtsreformen voranzutreiben. Wir sind bereit, auf allen Ebenen mitzuwirken, damit die Religionsfreiheit für alle im Land gewahrt wird,“ fuhr Mazzoli fort. Denn:
„Ein Feldzug des Terrors verwüstet Nigerias Norden und Zentrum: Massenflucht ist die Folge. Berichte bestätigen die bittere Bilanz: Nigeria wurde 2025 zum weltweit tödlichsten Ort für Christen“
— Giorgio Mazzoli, Direktor der Rechtsabteilung für die Vereinten Nationen
ADF International unterstützt Betroffene verschiedener Glaubensrichtungen:
- Rhoda Jatau, eine Christin und Mutter von fünf Kindern, wurde nach 19 Monaten Haft wegen angeblicher Blasphemie freigesprochen. Ihr „Vergehen“: ein WhatsApp-Video, in dem sie den Lynchmord an einer christlichen Studentin verurteilte.
- David* (Name geändert) wurde gefoltert und verurteilt, weil er zwei Konvertitinnen zur Flucht verholfen hatte. Ein Obergericht hob die Entscheidung auf.
- Yahaya Sharif-Aminu, ein Sufi-Musiker, sitzt seit über fünf Jahren in Haft und ist wegen einer WhatsApp-Nachricht zum Tode verurteilt. Sharif-Aminu wartet derzeit auf einen neuen Verhandlungstermin. Im Anschluss an seine letzte Anhörung drohte ein nigerianischer Staatsanwalt, den jungen Mann öffentlich hinzurichten.
„Yahaya Sharif-Aminus Fall ist eine Möglichkeit, die drakonischen Blasphemie-Gesetze abzuschaffen, die das Klima der Gewalt und Feindseligkeit gegenüber religiösen Minderheiten, darunter auch Christen, in Nigeria erheblich verschärfen,“
— Dr. Felix Böllmann, Leiter der europäischen Rechtsabteilung
Den UN-Brief haben mehrere Sonderberichterstatter für Gewalt gegen Frauen und Mädchen, außergerichtliche Hinrichtungen, Minderheitenfragen und Folter sowie die Arbeitsgruppe für erzwungene Verschleppungen verfasst. Damit reagieren die Verfasser auf die wachsende Zahl glaubwürdiger Berichte sowie auf die intensive Arbeit von Menschenrechts- und Religionsfreiheitsgruppen, darunter auch Alliance Defending Freedom (ADF) International. Der vollständige Text wird nach Ablauf der 60-tägigen Antwortfrist der nigerianischen Regierung veröffentlicht.