Pressemitteilung

Christlichem YouTuber in Ägypten drohen fünf Jahre Haft und Zwangsarbeit, weil er online über seinen Glauben sprach 

  • Ein junger koptischer Christ wurde aufgrund der Blasphemie-Gesetze verurteilt, weil er seinen Glauben im Internet friedlich zum Ausdruck brachte.  
  • Gegen das Urteil läuft Berufung, ADF International unterstützt das Verfahren rechtlich und fordert die sofortige Durchsetzung des Schutzes der Religionsfreiheit. 

KAIRO (27. APRIL 2026) – Die ägyptischen Behörden haben Augustinos Samaan, einen koptischen Christen und YouTuber, wegen seiner Online-Videos, in denen er den christlichen Glauben lehrte und verteidigte, zu fünf Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilt.  

Samaan, der regelmäßig Videos auf seinem YouTube-Kanal mit über 100.000 Abonnenten veröffentlichte, wurde gemäß Artikel 98(f) des ägyptischen Strafgesetzbuchs – der zentralenen Blasphemie-Bestimmung – „Missbrauch sozialer Medien“ und „Verachtung der Religion“ vorgeworfen. Beide Anklagepunkte fallen unter die übergeordnete Kategorie der Blasphemie-Delikte, die sich gegen Äußerungen richten, die als Beleidigung des Islams wertet werden. 

Samaan beruft sich auf sein Recht auf Religionsfreiheit und hat am Freitag, dem 24. April, Berufung eingelegt, um sein Urteil aufheben zu lassen. 

„Die strafrechtliche Verfolgung Samaans wegen seiner friedlichen Meinungsäußerung ist ein eindeutiger Verstoß gegen die Religionsfreiheit. Wer online Inhalte zu seinem Glauben teilt, sollte dafür nicht strafrechtlich verfolgt werden. Jeder Mensch hat das Grundrecht, seinen Glauben friedlich zu bekennen. Wir hoffen, dass das Berufungsgericht dieses Urteil aufhebt und Samaan freilässt.“ 

— Kelsey Zorzi, Direktorin der Rechtsabteilung für weltweite Religionsfreiheit bei ADF International

Trotz Religionsfreiheit  in Ägypten: verschärfte Christenverfolgung

Christen machen etwa 10 bis 15 % der ägyptischen Bevölkerung aus, doch sind sie aufgrund ihres Glaubens systematischer Verfolgung ausgesetzt, darunter Diskriminierung, Gewalt und Inhaftierung. Obwohl die ägyptische Verfassung Religionsfreiheit garantiert, werden im ganzen Land weiterhin Blasphemie-Gesetze angewendet, was die Verfolgung der koptischen Christen verschärft. 

Samaans Fall ist Teil einer breit angelegten Kampagne gegen Online-Inhalte, die als beleidigend für den Islam angesehen werden. Er ist einer von Dutzenden Angehörigen religiöser Minderheiten, die allein seit August 2025 wegen der Veröffentlichung angeblich blasphemischer Inhalte in sozialen Medien strafrechtlich verfolgt und inhaftiert wurden. 

Ein weiterer solcher Fall ist der von, christlicher Vater von fünf Kindern, der wegen „Blasphemie“ inhaftiert wurde, weil er in einer christlichen Facebook-Gruppe friedlich seinen Glauben geteilt hatte. Mit Unterstützung von ADF International wurde  Abdulbaqi Saeed Abdo im Januar 2025 freigelassen und konnte sich in ein anderes Land in Sicherheit begeben. „Die ägyptische Regierung überwacht zunehmend Online-Aktivitäten von Christen und anderen religiösen Minderheiten, während immer mehr Menschen inhaftiert werden, weil sie ihren Glauben in den sozialen Medien zum Ausdruck bringen. Wir fordern die Regierung auf, ihren Kurs zu ändern und ihren Verpflichtungen zum Schutz der Religions- und Meinungsfreiheit nachzukommen“, fügte Zorzi hinzu. 

ADF International setzt sich für die Religionsfreiheit von Christen und religiösen Minderheiten in Ägypten und weltweit ein.