Pressemitteilung

Beweise zurückgehalten? Ermittlungen um entführtes christliches Mädchen wiederaufgenommen

ISLAMABAD (13. OKTOBER 2026) – Ein Obergericht (High Court, zweite Instanz) in Pakistan hat die Wiederaufnahme der polizeilichen Ermittlungen im Fall von Maria Shahbaz angeordnet. Die damals erst zwölfjährige Christin war im Juli 2025 entführt, zur Konversion zum Islam gezwungen und mit ihrem 30-jährigen Entführer, Shehryar Ahmad, verheiratet worden.

Ein Bezirksgericht hatte im März 2026 einen Abschlussbericht zu den Ermittlungen akzeptiert. Laut der von der Familie beim Obergericht eingereichten Beschwerde wurde darauf hingewiesen, dass die Polizei angeblich wesentliche Beweise zurückgehalten habe, wonach Shahbaz in gefälschten Heirats- und Konversionsurkunden älter gemacht worden sei.

„Das Gericht muss in Marias Fall ermitteln und dringend eine Entscheidung treffen. Jeder Tag, den sie bei ihrem Entführer verbringen muss, setzt sie weiterer Ausbeutung und Misshandlung aus. Eine Entscheidung, sie zu befreien und ihren Entführer zur Rechenschaft zu ziehen, würde einen Präzedenzfall für all die jungen Mädchen schaffen, die jedes Jahr in ganz Pakistan Entführungen, Zwangskonversionen und Zwangsehen ausgesetzt sind.“

— Tehmina Arora, Direktorin der Rechtsabteilung für Asien, Alliance Defending Freedom

Hintergrund

Maria Shahbaz wuchs in Pakistan in einem christlichen Elternhaus auf. Im Juli 2025 wurde sie von einem 30-jährigen Mann entführt, gezwungen, ihrem Glauben abzuschwören, und gegen ihren Willen mit ihrem Entführer verheiratet. Seitdem ist sie schwerwiegendem Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt.

Im Februar 2026 wurde ihr Fall vor dem pakistanischen Bundesverfassungsgericht verhandelt. Während Shahbaz’ Eltern hofften, das Gericht würde sie nach Hause zurückbringen, beließ es sie stattdessen in der Obhut ihres Entführers. Das Gericht hat Shahbaz’ Alter nie bestätigt, was gegen pakistanisches Recht verstößt: Danach und nach internationalen Standards kann eine Minderjährige einer Konversion oder Heirat rechtlich nicht zustimmen.

Eine frühere Untersuchung hatte jedoch bereits dargelegt, dass Shahbaz minderjährig war, bevor das Gericht sein Urteil fällte, und hatte zudem festgestellt, dass die Heiratsurkunde gefälscht war. Im Juli 2026 stimmte das Bundesverfassungsgericht schließlich zu, einen Antrag auf Überprüfung in Shahbaz’ Fall anzuhören.

„Maria war Unvorstellbarem ausgesetzt. Das Gesetz muss sie schützen – genauso wie Hunderte anderer Kinder wie sie, die jedes Jahr aufgrund ihrer Religion ins Visier genommen werden. Wir sehen erste kleine Fortschritte im Kampf gegen Zwangsheiraten und Zwangskonversionen von Mädchen aus Minderheiten in Pakistan, und die Entscheidung des Gerichts, die Ermittlungen wieder aufzunehmen, ist ein weiterer vielversprechender Schritt.“

— Kelsey Zorzi, Direktorin der Internationalen Rechtsabteilung, Alliance Defending Freedom

Zwangsheiraten und Zwangskonversionen in Pakistan

Shahbaz’ Fall ist kein Einzelfall. Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass in Pakistan jedes Jahr mehr als 1.000 minderjährige Mädchen zu Konvertierung und Heirat gezwungen werden. Das Muster ist immer dasselbe: Entführung, Fälschung von Heirats- und Konversionsurkunden und schließlich die Berufung auf diese Urkunden vor Gericht, um der Familie den Zugang zu ihrem Kind zu verwehren.

Alliance Defending Freedom hat Dutzende von Mädchen unterstützt, die unter derartigem Missbrauch gelitten haben. Reeha Saleem war 16 Jahre alt, als sie auf dem Heimweg von der Schule im Bezirk Gujrat von ihrem Nachbarn entführt wurde. Sie wurde von vier Männern an einen unbekannten Ort gebracht, Gewalt ausgesetzt und zwangsweise mit einem ihrer Entführer verheiratet. Nach zwei Monaten der Misshandlung gelang ihr die Flucht – doch da sie formal weiterhin mit ihrem Peiniger „verheiratet“ war, weigerte sich die Polizei, sie zu schützen. Ihre Ehe wurde schließlich im Jahr 2024 von einem Gericht in Pattoki für nichtig erklärt.

In jüngster Zeit hat Pakistan begonnen, bemerkenswerte Schritte zur Bewältigung dieser Krise zu unternehmen. In diesem Jahr verabschiedete Punjab – Pakistans größte Provinz – den „Punjab Child Marriage Restraint Act“, der das Mindestalter für die Eheschließung auf 18 Jahre festlegt. Das Gesetz legt zudem fest, dass Gerichte in solchen Fällen das Wohl des Kindes an erster Stelle berücksichtigen müssen. Diese Gesetzesänderung erfolgte, nachdem führende Persönlichkeiten weltweit, darunter UN-Experten, EU-Abgeordnete und britische Parlamentarier, die Krise der Zwangsheirat und Zwangskonversion in Pakistan angemahnt hatten.

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