Pressemitteilung

Nach erneutem nächtlichem Massaker: EU-Parlament fordert sofortigen Schutz für Christen in Nigeria 

  • Resolution fordert Rechenschaft mit überwältigender Mehrheit von 510 zu 1 Stimme, während Christen in Nigeria weiterhin Angriffen ausgesetzt sind;  
  • Alliance Defending Freedom (ADF) International begrüßt den eindringlichen Appell des Europäischen Parlaments, um die weit verbreitete Gewalt gegen Christen in Nigeria zu stoppen. 

STRASSBURG (9 Juli 2026) — Mit überwältigender Mehrheit von 510 zu 1 Stimmen hat das Europäische Parlament die anhaltende Verfolgung von Christen in Nigeria verurteilt. Anlass ist der jüngste Angriff auf das Dorf Kawel im Bundesstaat Plateau, bei dem jihadistische Fulani-Milizen über 20 Christen, darunter Pastor Markus Nyam, in einer nächtlichen Razzia ermordeten. Die Abgeordneten sprechen von einem „klar dokumentierten Muster gezielter Gewalt“ gegen christliche Gemeinden. 

Die Resolution fordert die nigerianische Regierung auf, Täter konsequent strafrechtlich zu verfolgen, den Schutz religiöser Minderheiten zu stärken und die Terrorbekämpfung gegen Fulani-Milizen, Boko Haram und ISWAP auszubauen. Zudem soll die EU-Sonderbeauftragte für Religionsfreiheit die Lage der Christen in Nigeria besonders in den Blick nehmen. 

„Kein Dorf sollte seinen Pastor und seine Kinder begraben müssen, weil sie Christen sind. Wir begrüßen, dass das EU-Parlament Nigeria erneut zur Verantwortung zieht.“ 

— Sean Nelson, Leitender Rechtsanwalt bei im Team für weltweite Religionsfreiheit

Die Resolution reiht sich ein in mehrere frühere Initiativen des Europäischen Parlaments – darunter Forderungen zur Abschaffung der Blasphemiegesetze im Norden Nigerias und zur Freilassung des Sufi-Musikers Yahaya Sharif-Aminu, der weiterhin wegen angeblicher Blasphemie in Haft ist. Alliance Defending Freedom (ADF) International unterstützt die Verteidigung des zu Tode verurteilten Sufi-Musikers.  

In den vergangenen Jahren hat das Europäische Parlament immer wieder über die Verfolgung von Christen und anderen religiösen Minderheiten in Nigeria debattiert und Resolutionen verabschiedet.

„Dass es sich erneut mit diesem Thema befassen muss, zeigt das Ausmaß und die Härte der Gewalt. Diese Gemeinschaften leben ständig unter großer Angst.“ 

—Adina Portaru, Leiterin der Rechtsabteilung in Brüssel

So forderte das Parlament bereits im vergangenen Dezember Nigeria auf, den Schutz von Christen – insbesondere in Schulen – zu stärken, nachdem mehr als 300 Schüler und 12 Lehrkräfte der St. Mary’s Catholic School in Papiri, Bundesstaat Niger, entführt worden waren. 

Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen wurden seit dem Beginn des Boko-Haram-Aufstands vor gut anderthalb Jahrzehnten zehntausende Christen Opfer extremistischer Gewalt, betont Dr. Felix Böllmann, der Leiter der europäischen Rechtsabteilung fügt hinzu: 

„Es ist äußerst wichtig, dass internationale Institutionen wie jetzt – erneut – das Europäische Parlament Nigeria weiterhin in die Pflicht nehmen, um Christen und religiöse Minderheiten endlich besser zu schützen. Seit viel zu langer Zeit sind sie anhaltender Gewalt und Verfolgung durch radikalisierte Gruppen ausgesetzt. Besonders in der Zentralregion Nigerias, wo die Christenverfolgung am verheerendsten ist.“

—Dr. Felix Böllmann, Leiter der Europäischen Rechtsabteilung

Die internationale Menschenrechtsorganisation unterstützt vor Ort Anwälte, die nicht nur Christen, sondern auch andere religiöse Minderheiten verteidigen. 

Nigeria zählt zu den gefährlichsten Ländern für Christen: 3.490 Christen wurden 2025 wegen ihres Glaubens getötet, insgesamt zwischen 50.000 und 100.000 seit Beginn des Boko-Haram-Aufstands vor gut 15 Jahren. Zudem wurden mehr als 19.000 Kirchen angegriffen oder zerstört. In den Bundesstaaten Benue und Plateau verloren zwischen Mai 2023 und Mai 2025 mehr als 9.500 Menschen, überwiegend Christen, ihr Leben, und rund eine halbe Million wurden vertrieben.