Pressemitteilung

Bald sieben Jahre in Haft: Anwälte fordern Anhörung in Blasphemie-Fall um jungen Musiker

ABUJA, NIGERIA (25. September 2026) — Die Anwälte von Yahaya Sharif-Aminu, einem Sufi-Musiker, dem wegen angeblicher Blasphemie die Todesstrafe droht, haben ihre Forderung an den Obersten Gerichtshof Nigerias erneuert: Es soll unverzüglich ein Termin für die Anhörung im Fall des jungen Mannes festgelegt werden, der seit über sechseinhalb Jahren in Haft sitzt.

„Yahayas Fall verdeutlicht, welche Folgen Blasphemiegesetze für religiöse Minderheiten wie Yahaya im Norden Nigerias haben: Sie bestrafen die friedliche Äußerung religiöser Überzeugungen. Das Gericht muss diesem Fall nun Priorität einräumen.“

— Kola Alapinni, Menschenrechtsanwalt und leitender Verteidiger im Fall um Yahaya Sharif-Aminu

Das Gericht hatte ursprünglich eine Anhörung für den 25. Juni 2026 angesetzt, bei der ein Termin für die mündliche Verhandlung festgelegt werden sollte. Diese Anhörung wurde jedoch kurzfristig abgesagt, ohne dass ein neuer Termin in Aussicht gestellt wurde.

Nigerias Ruf als Rechtsstaat beschädigt

In ihrem Schreiben vom 14. September 2026 weisen die Anwälte darauf hin, dass sämtliche erforderliche Schriftsätze längst vorlägen. Obendrein seien andere, später eingelegte Rechtsmittel in Strafsachen bereits für die laufende Sitzungsperiode des Gerichts terminiert. Das Schreiben schließt mit der Warnung, der Vorgang könne „international als Beleg dafür gewertet werden, dass eine Entscheidung im Konflikt zwischen den strafrechtlichen Scharia-Bestimmungen betreffender Bundesstaaten und der nigerianischen Verfassung hinausgezögert wird. Dieser Eindruck beschädigt Nigerias Ruf als demokratischer Rechtsstaat.“

„Yahaya hat mehr als sechseinhalb Jahre seines jungen Lebens im Gefängnis verbracht – nicht wegen eines Gewaltverbrechens, sondern lediglich, weil er Liedtexte geschrieben hat. Das Gericht zögert die Verhandlung seines Falles weiterhin hinaus und verschleppt damit eine Entscheidung, die nicht nur Yahayas Freilassung bedeuten könnte, sondern auch die Aufhebung der Blasphemiegesetze im Land. Diese untergraben seit Jahren die Religionsfreiheit und gefährden muslimische Minderheiten wie Yahaya, Christen und andere in ganz Nigeria.“

— Sean Nelson, Leitender Rechtsberater für weltweite Religionsfreiheit bei Alliance Defending Freedom

Hintergrund: Von einer WhatsApp-Nachricht zu einem möglichen Präzedenzfall

Yahaya Sharif-Aminu wurde im März 2020 festgenommen, nachdem er über WhatsApp selbst verfasste Liedtexte geteilt hatte. Seine Texte wurden als „blasphemisch“ eingestuft, woraufhin ein Mob das Haus seiner Familie niederbrannte. Ein Scharia-Gericht im Bundesstaat Kano sprach ihn in einem überhasteten Verfahren und ohne angemessene rechtliche Vertretung schuldig und verurteilte ihn im August 2020 zum Tod durch den Strang.

Im darauffolgenden Jahr hob das Obergericht des Bundesstaates Kano das Urteil aus verfahrensrechtlichen Gründen zwar auf, ordnete jedoch eine Wiederaufnahme des Verfahrens unter denselben Anklagepunkten an. Seither befindet sich Sharif-Aminu ununterbrochen in Haft und ihm droht weiterhin die Hinrichtung.

Im November 2022 legte Sharif-Aminu Berufung beim Obersten Gerichtshof Nigerias ein. Im September 2025 ließ das Gericht die Berufung zu. Ein Urteil zugunsten Sharif-Aminus könnte einen Präzedenzfall schaffen und die Blasphemiegesetze im gesamten Norden Nigerias zu Fall bringen.

Internationale Reaktionen

Der Fall löste weltweit Kritik aus: Das Europäischen Parlament und die Arbeitsgruppe gegen willkürliche Inhaftierungen der Vereinten Nationen forderten Sharif-Aminus Freilassung, der Gerichtshof der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) erklärte Nigerias Blasphemiegesetze für rechtswidrig.

Alliance Defending Freedom leistet weiterhin rechtliche Unterstützung für Yahaya Sharif-Aminu und setzt sich für die Abschaffung der Blasphemiegesetze in Nigeria und weltweit ein.

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