- Die brasilianische Social-Media-Kommentatorin Nine Borges wurde nach neuen Ermittlungen zu ihren Social-Media-Aktivitäten zu einer polizeilichen Vernehmung am 25. Februar geladen.
- Der Fall Borges verdeutlicht die Bemühungen der brasilianischen Regierung, friedliche Meinungsäußerungen im Internet zu zensieren. ADF International unterstützt ihre Verteidigung.
BRASILIA (24. Februar 2026) – Gegen Nine Borges, einer brasilianischen Social-Media-Kommentatorin, akademischen Forscherin und britischen Staatsbürgerin, wird derzeit in Brasilien zum zweiten Mal wegen „transphober” Social-Media-Beiträge ermittelt. Die Ermittlungen wurden nach einer anonymen Anzeige eingeleitet, in der behauptet wurde, dass die auf Borges’ Instagram-Account geposteten Inhalte „diskriminierend” seien und zu Hass und Gewalt gegen „Transgender”-Personen aufstacheln würden.
Borges, gegen die derzeit ebenfalls wegen eines kurzen Instagram-Videos vom September 2024 strafrechtlich ermittelt wird, wurde nun aufgefordert, am 25. Februar von Großbritannien aus an einer virtuellen Anhörung vor der Bundespolizei von Minas Gerais teilzunehmen.
Die neue Anzeige behauptet weiter, dass Borges in einem beliebten brasilianischen Podcast „transphobe“ Kommentare abgegeben habe, in denen sie neben den philosophischen Grundlagen der Gender-Ideologie auch biologische Fakten über Männer und Frauen erläuterte. Als promovierte Pädagogin kritisiert Borges regelmäßig die Gender-Ideologie und ihre negativen Auswirkungen auf Frauen und die Gesellschaft insgesamt. Sie ist auch Autorin eines Buches zu diesem Thema.
Sollte es aufgrund dieser Ermittlungen zu einer strafrechtlichen Anklage kommen, drohen ihr für jede Anklage eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.
„Wenn eine Forscherin nicht mehr über soziale Theorien und wissenschaftliche Fakten diskutieren kann, ist das ein Zeichen für eine tiefgreifende Krise, in der die Forschung dem Dogma untergeordnet wird. Eine zweite Untersuchung wegen meiner Meinungen ist sehr beunruhigend, aber ich werde mich nicht einschüchtern und zum Schweigen bringen lassen.“
- Nine Borges
Sie fügte hinzu: „Friedliche Äußerungen, insbesondere solche, die auf biologischen Fakten beruhen, sollten niemals unter Strafe gestellt werden. Diese neue Untersuchung macht deutlich, dass wir uns dringend für die Meinungsfreiheit in Brasilien einsetzen und diese schützen müssen.“
Julio Pohl, Rechtsanwalt für Lateinamerika bei ADF International, der Borges während ihrer strafrechtlichen Ermittlungen rechtlich unterstützt, erklärt: „Mit dieser zweiten Untersuchung wird noch deutlicher, was passiert, wenn man sich in einem autoritären Umfeld gegen die vorherrschende Orthodoxie stellt. Nine ist eine Online-Kommentatorin und akademische Forscherin, und nun werden ihre Inhalte aufgrund einer anonymen Beschwerde ausgegraben und durch eine zensierende Brille analysiert, obwohl sie in keiner Weise als illegal angesehen werden sollten. Die harte Realität ist, dass Nine strafrechtlich verfolgt wird und vielleicht mit einer langen Haftstrafe rechnen muss, nur weil ein anonymer Beschwerdeführer Anstoß an ihrer friedlichen Meinungsäußerung genommen hat.”
„Die zunehmende Zensur in Brasilien ist äußerst alarmierend. Niemand sollte eine Gefängnisstrafe befürchten müssen, weil er biologische Fakten nennt oder auch nur friedlich seine Meinung im Internet äußert.“
Hintergrund
Nine Borges, eine in Großbritannien lebende wissenschaftliche Forscherin und Social-Media-Kommentatorin mit rund 265.000 Followern auf Instagram, ist eine bekannte Kritikerin der Gender-Ideologie. In einem kurzen Video, das sie im September 2024 veröffentlichte, machte sie auf Bedenken hinsichtlich der staatlichen Finanzierung und des Einflusses von pro-LGBT-Organisationen in Brasilien aufmerksam und übte Kritik an Symmy Larrat, der Person, die in Brasilien den Posten “LGBT-Staatssekretär” innehat.
Das Video erreichte nahezu 15.000 Likes und rund 180.000 Aufrufe. Larrat ist ein Mann, der sich als Frau identifiziert und sich selbst in den sozialen Medien mit expliziter Terminologie beschreibt. Kurz darauf reichte Symmy Larrat Beschwerde ein, woraufhin die Behörden ein erstes strafrechtliches Ermittlungsverfahren einleiteten.
Im August 2025 wurde Borges offiziell darüber informiert, dass gegen sie wegen angeblicher „Transphobie“ und „Verleumdung“ ermittelt werde; zugleich wurde sie aufgefordert, am 7. Oktober 2025 bei der Polizei zu erscheinen. Im folgenden Monat, am 5. November 2025, teilte die Polizei Borges mit, dass sie empfehlen werde, die Ermittlungen wegen „Transphobie” und „falscher Geschlechtszuordnung” gegenüber dem LGBT-Sekretär – einem Beamten, der sich selbst als „Transvestit” und „Prostituierte” bezeichnet – in eine formelle Strafverfolgung zu überführen. Borges hatte in ihrem Kommentar dieselben Begriffe verwendet, und die Polizei führte dies als Grundlage für die Strafverfolgung an. ADF International leistet Borges aufgrund der Ermittlungen rechtliche Unterstützung.
Ein Urteil des Obersten Bundesgerichts Brasiliens aus dem Jahr 2019 hat „Transphobie” und „Homophobie“ als Straftaten eingestuft, die mit bis zu fünf Jahren Haft pro Verstoß geahndet werden können. Seit diesem Urteil gab es in ganz Brasilien zahlreiche Fälle, in denen Personen allein wegen der Äußerung ihrer Überzeugungen wegen „Transphobie” angeklagt wurden.
Vor kurzem wurde Isadora Borges (nicht verwandt mit Nine Borges), eine Veterinärstudentin in Brasilien, wegen angeblich „transphober“ Kommentare auf X strafrechtlich verfolgt, wobei ihr eine Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren droht. Ihre erste Anhörung fand am 10. Februar statt.
2025 wurde gegen die Social-Media-Influencerin Isabella Cepa wegen ihres Online-Beitrags zur Gender-Ideologie ermittelt. In einem anderen Fall wurde Douglas Baptista, Pastor der Assemblies of God, wegen der Veröffentlichung eines Buches mit einer christlichen Sichtweise auf Sexualität, strafrechtlich verfolgt. Sein Fall wurde ebenfalls von ADF International rechtlich unterstützt. Die Anklagen wurden in beiden Fällen fallen gelassen, aber sie bleiben ein Beweis für den allgemeinen, beunruhigenden Trend der brasilianischen Regierung, friedliche Meinungsäußerungen im Internet zu zensieren.
Zunehmende Zensur in Brasilien
ADF International vertritt außerdem fünf brasilianische Politiker (Senator Eduardo Girao und die Abgeordneten Marcel Van Hattem, Adriana Ventura, Gilson Marques und Ricardo Salles) vor der Interamerikanischen Menschenrechtskommission. Die Politiker haben bei der Kommission Beschwerde wegen Verletzungen ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung eingelegt. Sie machen geltend, dass ihre durch die amerikanische Menschenrechtskonvention garantierten Rechte – insbesondere die Meinungsfreiheit – durch eine zunehmend eskalierende staatliche Zensur verletzt worden seien. Diese hat ihren bisherigen Höhepunkt im Verbot der Plattform X in Brasilien während der Kommunalwahlen im vergangenen Jahr erreicht. Die Zensur in Brasilien verschärft sich seit 2019 kontinuierlich.
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