- Eine neue politische Erklärung mehrerer Staaten in Genf stärkt internationale Bemühungen, Frauen und Kinder besser vor Kommerzialisierung und Menschenhandel zu schützen.
- ADF International leitete die Auftaktveranstaltung bei den Vereinten Nationen und begrüßte den Schritt als einen wichtigen Impuls für die weltweite Abschaffung der Leihmutterschaft.
GENF, WIEN (29. JUNI 2026) – Vier Regierungen haben bei den Vereinten Nationen eine politische Erklärung vorgestellt, die ein internationales Moratorium für Leihmutterschaft fordert. Die Praxis sei mit internationalen Menschenrechten nicht vereinbar.
Angeführt von Italien und Chile bekennen sich die Unterzeichnerstaaten zur weltweiten Abschaffung der Leihmutterschaft. Das Moratorium soll den Weg zu einem völkerrechtlich verbindlichen Verbot ebnen.
Menschenwürde statt Marktlogik
Die Erklärung verweist auf gravierende Menschenrechtsverletzungen: die Kommerzialisierung menschlichen Lebens, die Ausbeutung von Frauen sowie die bewusste Trennung von Kindern und ihren leiblichen Müttern.
Frauen und Mädchen seien dadurch erheblichen Risiken ausgesetzt – von medizinischen Gefahren über Zwangssituationen bis zum Verlust ihrer Selbstbestimmung. Besonders betroffen seien vulnerable Frauen und Kinder.
Gefährdete Kinder, rechtliche Grauzonen
Die Unterzeichner betonen die Folgen für Kinder: Beeinträchtigungen der frühkindlichen Entwicklung, langfristige gesundheitliche Risiken und ihr gesamtes Wohlbefinden. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten zu Elternschaft, Staatsangehörigkeit und Schutzrechten sowie Gefahren durch Aussetzung, Menschenhandel und Ausbeutung.
Die Erklärung wurde am Rande der 62. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats vorgestellt – mitgetragen von Italien, Chile, Kamerun und dem Heiligen Stuhl und moderiert von ADF International.
Kurz zuvor hatte UN-Sonderberichterstatterin Reem Alsalem ihren Bericht über Gewalt gegen Mütter präsentiert, in dem Leihmütter als besonders gefährdet eingestuft werden.
Politik muss Profitgier auf Kosten der Schwächsten stoppen
Die italienische Familienministerin Eugenia Roccella warnte vor einem globalen Markt für Leihmutterschaft, der von grenzüberschreitenden Arrangements und tiefen sozialen Ungleichheiten geprägt sei. „Politische Entscheidungsträger müssen sich fragen, ob jeder Mensch noch als Person respektiert wird – oder bereits zum Mittel für die Wünsche anderer geworden ist.“
Felipe Kipreos Palau, Direktor für Menschenrechte im chilenischen Außenministerium, kritisierte internationale Regulierungslücken, die Risiken über Grenzen hinweg verlagerten. Er forderte verstärkte internationale Zusammenarbeit und einen Diskurs, der sich an Kindeswohl und Menschenwürde orientiert.
Reem Alsalem vom UN-Menschenrechtsrat betonte: „Fragmentierte nationale Regelungen begünstigen einen globalen Markt, der Schäden für Frauen und Kinder in besonders verletzliche Regionen verlagert.“ Zugleich zeige die jüngste Erklärung in Genf, 2dass hier politisch zu handeln möglich ist.“
Giorgio Mazzoli, Direktor für UN-Advocacy bei ADF International (ADFI), hob hervor, dass internationales Recht Leihmutterschaft bereits als unvereinbar mit der Menschenwürde einstufe. „Doch die Ausbreitung von Leihmutterschaft und grenzüberschreitende Schlupflöcher erfordern eine koordinierte globale Antwort.“ Die jüngste Erklärung sei ein bedeutender Schritt, „um den internationalen Konsens zu stärken und schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen zu stoppen.“ Mazzoli forderte Regierungen weltweit dazu auf, sich dieser Bewegung anzuschließen, „um Frauen und Kinder vor einer Industrie zu schützen, die aus ihrer Verwundbarkeit Profit zieht.“
Jährliche Umsätze aus Leihmutterschaft werden aktuell konservativ auf über 20 Milliarden US-Dollar geschätzt. Andere Berechnungen liegen deutlich höher. Einig sind sich Marktbeobachter darin, dass die Tendenz wachsend ist.
Internationale Bewegung für Frauenrechte und Kindeswohl nimmt Fahrt auf
Die Erklärung knüpft an einen UN-Bericht von Oktober 2025 an, der Leihmutterschaft als Ausbeutung und Gewalt gegen Frauen sowie Missbrauch von Kindern beschreibt und ein internationales Verbot fordert.
ADF International gehört zu den ersten Organisationen, die diese menschenrechtlichen Risiken systematisch bei den Vereinten Nationen thematisierten, ebenso wie die Casablanca Declaration, ein unabhängiges Expertennetzwerk aus über 80 Ländern. Die internationale Menschenrechtsorganisation ADFI war zudem Mitinitiatorin eines zivilgesellschaftlichen Schreibens, das von über 220 Organisationen aus 40 Ländern unterstützt wurde.
Mehrere Staaten haben inzwischen gehandelt: Italien verbot 2024 Leihmutterschaft auch im Ausland, die Slowakei folgte 2025 mit einem verfassungsrechtlichen Verbot. In Chile brachte die Kommission für Familie, Kindheit und Jugend Anfang 2026 ein Gesetzesvorhaben zur Abschaffung der Leihmutterschaft voran.
„In Deutschland gibt es kein rechtliches Vakuum – Leihmutterschaft ist gesetzlich klar verboten, ebenso wie die Vermittlung von oder Werbung für entsprechende Dienstleistungen,“ sagt Dr. Felix Böllmann. Der Leiter der europäischen Rechtsabteilung ADFI mit Sitz in Wien, betont jedoch, woran es in Deutschland mangelt: „Das Verbot wird nicht konsequent durchgesetzt. Deutschland verletzt damit völkerrechtliche Verpflichtungen, etwa aus der Kinderrechtskonvention.“
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