Skip to content

EU ignoriert Bedenken zur Meinungsfreiheit bei Überprüfung des zensurfördernden Digital Services Act

  • Mehr als 100 internationale Experten für Meinungsfreiheit hatten sich (koordiniert von ADF International) im vergangenen Monat in einem Brief an die Europäische Kommission gerichtet und vor globaler Zensur durch den DSA (deutsch: Gesetz über Digitale Dienste) gewarnt.

  • Nun hat die Europäische Kommission es versäumt, die Zensurbedenken in ihrer gestern veröffentlichten offiziellen Überprüfung aufzugreifen. Die Kommission antwortete erst wenige Tage vor Veröffentlichung der Überprüfung auf das Schreiben der Experten und wies darin jegliche Gefährdung der Meinungsfreiheit zurück.

BRÜSSEL (20. November 2025) – Die Europäische Kommission hat in ihrem gestern veröffentlichten offiziellen Bericht zum Digital Services Act (DSA) zentrale, von internationalen Experten vorgebrachte Bedenken zur Meinungsfreiheit nicht berücksichtigt.

Die gemäß Artikel 91 des DSA als verpflichtend vorgesehene Überprüfung erfolgte vor dem Hintergrund weitreichender internationaler Kritik, bei der die Verordnung die Meinungsfreiheit verletzt. Geäußert wurde diese Kritik unter anderem von großen Online-Plattformen, der europäischen Zivilgesellschaft, dem Justizausschuss des US-Kongresses, dem US-Botschafter bei der EU sowie weiteren staatlichen und gesellschaftlichen Akteuren.

Bereits im September hatten mehr als 50 europäische Nichtregierungsorganisationen darauf hingewiesen, dass die weit gefassten Begriffe „systematische Risiken“, „Desinformation“ und „illegale Inhalte“, kombiniert mit der aktivistischen Rolle sogenannter „vertrauenswürdiger Hinweisgeber“ („trusted flaggers“), die Freiheit der Meinungsäußerung und Information gemäß Artikel 11 der EU-Grundrechtecharta verletzen könnten. Im vergangenen Monat wendeten sich zudem über 100 Experten für Meinungsfreiheit in einem von ADF International koordinierten Schreiben an die Kommission und warnten vor globaler Online-Zensur durch den DSA.

„Die Kommission hat eine äußerst entscheidende Chance verpasst, die Meinungsfreiheit wiederherzustellenund konstruktiv mit ihren Bürgern in den Dialog zu treten.“

Das oben erwähnte Schreiben hatte die Kommission aufgefordert, diese Bedenken in ihrer Überprüfung des DSA – die gestern veröffentlicht wurde – aufzugreifen. Doch die Kommission ist diesen Anliegen in ihrem Bericht nicht nachgekommen.

Stattdessen bekräftigt der Bericht die Haltung der Kommission, wonach der DSA „inhaltlich neutral“ sei und daher keiner Überprüfung im Hinblick auf die Meinungsfreiheit bedürfe. Diese Haltung steht im Widerspruch zur praktischen Anwendung des DSA, in deren Rahmen Plattformen unter erheblichen Druck geraten, Inhalte zu löschen, um Sanktionen der EU zu vermeiden. Es können Geldbußen von bis zu 6 % des weltweiten Jahresumsatzes verhängt werden. Der Bericht liefert keine substanzielle Antwort auf die Bedenken hinsichtlich Zensur durch Stellvertreter, behördlicher Übergriffigkeit oder der extraterritorialen Wirkung des DSA. Ebenso unterlässt er eine Prüfung der Verordnung im Lichte der in der EU-Grundrechtecharta verankerten Garantien der Meinungsfreiheit, wie sie von Experten und Nichtregierungsorganisationen ausdrücklich gefordert wurde.

Noch besorgniserregender ist, dass die Kommission darüber hinaus signalisiert, die DSA-bezogene Koordinierung weiter auszubauen und zu verschärfen – durch eine intensivere behördliche Zusammenarbeit, gemeinsame Leitlinien und sogar mögliche „One-Stop-Shop“-Strukturen auf EU-Ebene. Eine solche Entwicklung droht bestehende Bedenken hinsichtlich der Meinungsfreiheit nicht zu lösen, sondern weiter zu verschärfen.

In Reaktion auf die DSA-Überprüfung erklärte Dr. Adina Portaru, Leiterin der Rechtsabteilung in Brüssel für ADF International

„Es ist höchst alarmierend, dass die Europäische Kommission die fundierten Warnungen vor Zensur und behördlicher Übergriffigkeit ignoriert hat – Warnungen, die von internationalen Experten der Meinungsfreiheit, großen Technologieunternehmen sowie besorgten Regierungen gleichermaßen vorgebracht wurden. Zwar kündigt die Kommission an, Fragen der Meinungsfreiheit erst im Rahmen zukünftiger Überprüfungen (2027) zu berücksichtigen; doch die Bedrohung durch Zensur ist akut und darf nicht aufgeschoben werden. Die Auseinandersetzung mit ihren realen Auswirkungen duldet keinen Aufschub.

Der DSA birgt das Potenzial, ein globales Zensurregime zu etablieren, und stellt derzeit die schwerwiegendste Bedrohung der Freiheit der Meinungsäußerung im digitalen Raum der westlichen Welt dar. Wir werden uns weiterhin entschieden für den Schutz der Meinungsfreiheit angesichts der vom DSA ausgehenden zensurfördernden Gefahr einsetzen – damit der digitale öffentliche Raum frei bleibt.“

Bedenken zur Meinungsfreiheit

Der Bericht der Europäischen Kommission geht, trotz wachsender Spannungen über die globalen Auswirkungen des DSA, nicht auf die transatlantischen Bedenken hinsichtlich der Meinungsfreiheit ein.

Bereits im September äußerte der US-Botschafter bei der EU, Andrew Puzder, die Sorge, dass der DSA dazu führen könnte, dass auch amerikanische Bürger zensiert werden. Zuvor hatte der US-Außenminister Marco Rubio im August eine Anweisung an die US-Diplomaten in Europa erteilt, ihre diplomatischen Bemühungen zur Infragestellung des DSA zu verstärken und zu priorisieren.

Auch X und Google haben vor den potenziell globalen Folgen des DSA im Hinblick auf Zensur gewarnt.

Botschafter Puzder sagte:

“Kein Präsident – ganz gleich aus welcher Partei – wird akzeptieren, dass eine ausländische Regierung, die durch den Ersten Verfassungszusatz garantierten, Grundrechte amerikanischer Bürger auf freie Meinungsäußerung und freie Rede einschränkt. Wir müssen also verstehen was mit dem Digital Services Act geschieht.“

Berichten zufolge erklärte Botschafter Puzder außerdem, dass die Vereinigten Staaten im Rahmen der Überprüfung des DSA durch die Europäische Kommission formelle Stellungnahmen einreichen würden.

Appell von Experten für Meinungsfreiheit an die Europäische Kommission

In einem Schreiben an die Europäische Kommission haben 113 Experten – darunter ein ehemaliger Vizepräsident von Yahoo Europe sowie Politiker, Wissenschaftler, Juristen und Journalisten aus aller Welt – gefordert, dass die Kommission im Rahmen der bis zum 17. November laufenden Überprüfung des EU-Gesetzes über digitale Dienste (DSA) auch Experten für Meinungsfreiheit anhört.

In dem von der Organisation ADF International koordinierten Schreiben wird gewarnt: “ [Der DSA] errichtet eine gesamteuropäische Zensurinfrastruktur mit unklaren Grenzen und dem Risiko, legitime demokratische Debatten zu unterdrücken …“

“Die weit gefasste Definition von ‚rechtswidrigen Inhalten‘ eröffnet die Möglichkeit, dass die restriktivsten Sprachvorschriften eines einzelnen EU-Mitgliedstaates zum Maßstab für die gesamte Union – und darüber hinaus – werden. Auf diese Weise wird de facto das niedrigste Schutzniveau der Meinungsfreiheit exportiert.“

Weiter heißt es in dem Schreiben: “Die breite Definition von, rechtswidrigen Inhalten’ im DSA, zusammen mit der Rechtsprechung des EuGH, könnte weltweit Löschungen nach sich ziehen.“

Der Brief bringt die Besorgnis über das intransparente Überprüfungsverfahren der Europäischen Kommission im Zusammenhang mit dem DSA zum Ausdruck und fordert die Kommission auf: “Führen Sie vor der Überprüfung im November eine umfassende und inklusive Konsultation mit unabhängigen Experten für Meinungsfreiheit, Verfassungsrecht und digitale Rechte durch und laden Sie die Öffentlichkeit zur Stellungnahme ein.“

“Veröffentlichen Sie die Liste der NGOs, zivilgesellschaftlichen Akteure und Partnerorganisationen, die in den Überprüfungsprozess einbezogen sind, einschließlich der Kriterien und der Methodik, die für ihre Auswahl verwendet wurden.“

“Stellen Sie sicher, dass die Überprüfung eine gründliche rechtliche Analyse der Vereinbarkeit des DSA mit dem Schutz der Grundrechte umfasst, insbesondere nach Artikel 11 der Charta der Grundrechte der EU, Artikel 10 der EMRK und Artikel 19 des IPbpR.“

In ihrer Antwort auf das Schreiben erklärte die Kommission, “der DSA reguliere keine spezifischen Inhalte, da er inhaltlich neutral sei“, und “zuständige Behörden hätten keine Befugnis zur Moderation von Nutzerinhalten oder zur Durchsetzung bestimmter Moderationspraktiken gegenüber Online-Plattformen“.

“Es ist irreführend zu behaupten, die Kommission ‚moderiere nicht‘, nur weil sie nicht selbst die Lösch-Taste drückt. Plattformen reagieren auf den Druck der Kommission – und die Kommission ist sich der praktischen Konsequenzen des enormen Drucks, den sie ausübt, sehr wohl bewusst. Der Antwortbrief auf die Bedenken der Experten für Meinungsfreiheit geht auf diesen indirekten, aber äußerst wirkungsvollen Einfluss überhaupt nicht ein.

Die Behauptung einer ‚inhaltlichen Neutralität‘ ignoriert zudem, dass die eigenen Durchsetzungsmaßnahmen der Kommission nicht auf neutralen Prinzipien beruhen, sondern auf umstrittenen normativen Bewertungen darüber, welche Kategorien von Äußerungen angeblich systemische Risiken darstellen. Faktisch kann der DSA nicht inhaltsneutral sein, wenn seine gesamte Durchsetzung darum dreht, zu beurteilen, wie Plattformen mit bestimmten Inhalten umgehen, auch wenn das Gesetz diese nicht ausdrücklich benennt“, erklärte Dr. Portaru.

“Darüber hinaus weist die Kommission die berechtigten Bedenken hinsichtlich der extraterritorialen Wirkung des DSA vollständig zurück, trotz der offensichtlichen globalen Reichweite und Bedrohung. Ihre Antwort ignoriert wiederholt internationale Warnungen, darunter die der Vereinigten Staaten, dass der DSA de facto globale Zensurstandards erzwingt. Die Kommission hat damit eine entscheidende Gelegenheit verpasst, die Meinungsfreiheit zu schützen und konstruktiv mit den Bürgern über die Auswirkungen des DSA auf die Grundrechte ins Gespräch zu kommen“, so Dr. Portaru weiter.

Den vollständigen Brief (in englischer Sprache), die komplette Liste der Unterzeichner, finden Sie hier.

Images for free use in print or online in relation to this story only

Pictured: Adina Portaru

Wollen Sie diesen und weitere Fälle unterstützen?

Ihre Spende hilft:

Die Kosten für die juristische Verteidigung von grundlegenden Freiheiten zu decken.

family icon

Hunderte von Mandanten rechtlich zu unterstützen.

Den Einsatz für gerechte Gesetze, Urteile und Entscheidungen weltweit zu ermöglichen.

Bleiben Sie informiert

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

*“ zeigt erforderliche Felder an

Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
Name*

Statement of Faith

Based on our adherence to the inspired, infallible, inerrant, and authoritative Word of God in Scripture, we profess with the Christian Church throughout time and around the world the faith expressed in the Apostles’ Creed:

I believe in God, the Father almighty,
creator of heaven and earth.
I believe in Jesus Christ, his only Son, our Lord,
who was conceived by the Holy Spirit,
born of the Virgin Mary,
suffered under Pontius Pilate,
was crucified, died, and was buried;
On the third day he rose again;
he ascended into heaven,
he is seated at the right hand of the Father,
and he will come to judge the living and the dead.

I believe in the Holy Spirit,
the holy catholic Church,
the communion of saints,
the forgiveness of sins,
the resurrection of the body,
and the life everlasting.
Amen.

Päivi Räsänen

Eine Abgeordnete des finnischen Parlaments, die wegen ‘Hassrede’ angeklagt wurde, nachdem sie öffentlich ihre christlichen Überzeugungen zu Ehe und Sexualität geäußert hatte.

Isabel Vaughan-Spruce

Die engagierte Lebensschützerin aus Großbritannien, die festgenommen wurde, als sie still in der Nähe einer Abtreibungsklinik auf einer öffentlichen Straße betete.

Rodrigo Iván Cortés

Ein ehemaliger Kongressabgeordnete aus Mexiko, der bestraft wurde, nachdem er die biologische Wahrheit der zwei Geschlechter verteidigt hatte.

Nada und Hamouda

Aus dem Sudan, deren Ehe von einem Scharia-Gericht aufgelöst wurde und die mit 100 Peitschenhieben und Lebensgefahr bedroht wurden, nur weil sie zum Christentum konvertierten.

Shagufta und Shafqat

Ein christliches Paar aus Pakistan, das 7 Jahre lang in der Todeszelle saß, weil sie angeblich eine blasphemische Textnachricht versendet hatten - obwohl beide weder lesen noch schreiben können.

Päivi Räsänen

Päivi Räsänen, a member of parliament and devoted grandmother from Finland, charged with 'hate speech' for voicing her deeply held beliefs on the Christian view of marriage and sexuality.

Adah

Adah had to flee her home after being threatened by her family for her conversion and obtained a protective order in another state.

Pastor Ezekiel

Pastor Ezekiel was captured and tortured by unidentified men for two weeks in February 2024, and then handed over to the police, who released him.

David

David was captured and tortured by unidentified men for two weeks in February 2024, and then handed over to the police, who charged him with kidnapping and obtained a conviction without a lawyer in 3 days. In July, the High Court in Northern Nigeria overturned his wrongful conviction. He is now free.

Naomi

Naomi had to flee her home after being threatened by her family for her conversion, and obtained a protective order in another state.

Rhoda Jatau

Nigerian Christian mother of 5, Rhoda Jatau, has been acquitted after being imprisoned for 19-months for allegedly sharing a video on WhatsApp.

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information

Yahaya Sharif-Aminu

In March 2020, a dangerous mob burned down his house and the Hisbah religious police, an official authority in charge of enforcing Sharia law, arrested Yahaya. Shortly after, the young man was convicted in a Sharia court for his alleged “blasphemy” and sentenced to death by hanging. His Supreme Court appeal has the potential to overturn Sharia-based blasphemy laws in Northern Nigeria.