- Die brasilianische Social-Media-Kommentatorin Nine Borges wird von der Bundespolizei wegen angeblicher „Transphobie” strafrechtlich verfolgt, nachdem sie ein Video postete, in dem sie die Gender-Ideologie kritisierte.
- Der Fall Borges verdeutlicht einen allgemeinen Trend der brasilianischen Regierung, friedliche Meinungsäußerungen im Internet zu zensieren. ADF International unterstützt ihre Verteidigung vor Gerich
BRASILIA (12. Januar 2026) – Nine Borges, eine brasilianische Social-Media-Kommentatorin, die derzeit in Großbritannien lebt, sieht sich in Brasilien polizeilichen Ermittlungen wegen angeblich „transphober“ Äußerungen ausgesetzt. Auslöser war ein Video, in dem sie die Gender-Ideologie sowie den Einsatz staatlicher Mittel zur Finanzierung LGBT- NGOs in Brasilien kritisierte.
Nine Borges, eine in Großbritannien lebende wissenschaftliche Beraterin und Social-Media-Kommentatorin mit rund 265.000 Followern auf Instagram, ist eine bekannte Kritikerin der Gender-Ideologie. In einem kurzen Video, das sie im September 2024 veröffentlichte, machte sie auf Bedenken hinsichtlich der staatlichen Finanzierung und des Einflusses pro-LGBT-Organisationen in Brasilien aufmerksam und übte Kritik an Symmy Larrat, der Person die in Brasilien den Posten “LGBT-Staatssekretär” innehat.
Das Video erreichte nahezu 15.000 Likes und rund 180.000 Aufrufe. Larrat ist ein Mann, der sich als Frau identifiziert und sich in den sozialen Medien mit expliziter Terminologie beschreibt. Nachdem Larrat Beschwerde eingelegt hatte, wurde Borges im Oktober von der brasilianischen Bundespolizei in Brasília vorgeladen. Gegen sie wird seither wegen angeblicher „Transphobie“ und „Verleumdung“ ermittelt. Die Behörden haben inzwischen empfohlen, das Verfahren in eine formale Strafverfolgung zu überführen.
ADF International unterstützt Borges im Zusammenhang mit diesen Ermittlungen rechtlich.
„Niemand sollte strafrechtlich verfolgt werden, nur weil er seine Meinung zur Regierungspolitik äußert. Der Versuch, friedliche Kritik als „Transphobie“ einzustufen, stellt eine ernsthafte Bedrohung für die MeDie Behörden müssen dafür sorgen, dass Grundrechte geschützt und nicht bestraft werden.“
- Julio Pohl, Rechtsanwalt bei ADF International
Hintergrund
Nine Borges ist eine brasilianische Social-Media-Kommentatorin, die derzeit in Großbritannien lebt. Im September 2024 veröffentlichte sie auf Instagram ein Video, in dem sie die Öffentlichkeit auf Bedenken hinsichtlich der Finanzierung und des Einflusses von LGBT-Organisationen in Brasilien aufmerksam machte. Das Video enthielt Kritik an einem hochrangigen brasilianischen Regierungsbeamten.
Kurz darauf reichte Symmy Larrat, Staatssekretär für LGBT-Angelegenheiten, Beschwerde ein, woraufhin die Behörden ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren einleiteten. Im August 2025 wurde Borges offiziell darüber informiert, dass gegen sie wegen angeblicher „Transphobie“ und „Verleumdung“ ermittelt werde; zugleich wurde sie aufgefordert, am 7. Oktober 2025 bei der Polizei zu erscheinen.
Im folgenden Monat, am 5. November 2025, teilte die Polizei Borges mit, dass sie empfehlen werde, die Ermittlungen wegen „Transphobie” und „falscher Geschlechtszuordnung” gegenüber dem LGBT-Sekretär – einem Beamten, der sich selbst als „Transvestit” und „Prostituierte” bezeichnet – in eine formelle Strafverfolgung zu überführen. Borges hatte in ihrem Kommentar dieselben Begriffe verwendet, und die Polizei führte dies als Grundlage für die Strafverfolgung an.
Ein Urteil des Obersten Bundesgerichts Brasiliens aus dem Jahr 2019 hat „Transphobie” und „Homophobie“ als Straftaten eingestuft, die mit bis zu fünf Jahren Haft pro Verstoß geahndet werden können. Seit diesem Urteil gab es in ganz Brasilien zahlreiche Fälle, in denen Personen allein wegen der Äußerung ihrer Überzeugungen wegen „Transphobie” angeklagt wurden.
2025 wurde gegen die Social-Media-Influencerin Isabella Cepa wegen ihres Online-Beitrags zur Gender-Ideologie ermittelt. In einem anderen Fall wurde Douglas Baptista, Pastor der Assemblies of God, wegen der Veröffentlichung eines Buches mit einer christlichen Sichtweise auf Sexualität strafrechtlich verfolgt. Sein Fall wurde ebenfalls von ADF International rechtlich unterstützt. Die Anklagen wurden in beiden Fällen fallen gelassen, aber sie bleiben ein Beweis für den allgemeinen, beunruhigenden Trend der brasilianischen Regierung, friedliche Meinungsäußerungen im Internet zu zensieren.
„Ich habe mich zu Wort gemeldet, weil die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat, zu erfahren, was in ihrem eigenen Land geschieht. Ich lasse mich nicht einschüchtern, weil ich meine Meinung online äußere. Ich habe das Recht, mächtige Amtsträger zu hinterfragen. Alle Brasilianer sollten die gleiche Freiheit genießen, ohne Angst vor Ermittlungen oder Verhaftungen haben zu müssen“, sagte Nine Borges.
Zunehmende Zensur in Brasilien
Das internationale Menschenrechtsgesetz garantiert das Recht, Ideen ohne Angst vor Strafverfolgung zu äußern, einschließlich der Kritik an Amtsträgern. ADF International vertritt außerdem fünf brasilianische Gesetzgeber (Senator Eduardo Girao und die Abgeordneten Marcel Van Hattem, Adriana Ventura, Gilson Marques und Ricardo Salles) vor der Interamerikanischen Menschenrechtskommission. Die Gesetzgeber haben bei der Kommission Beschwerde wegen Verletzungen ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung eingelegt. Sie machen geltend, dass ihre durch die amerikanische Menschenrechtskonvention garantierten Rechte – insbesondere die Meinungsfreiheit – durch eine zunehmend eskalierende staatliche Zensur verletzt worden seien. Diese hat ihren bisherigen Höhepunkt im Verbot der Plattform X in Brasilien während der Kommunalwahlen im vergangenen Jahr erreicht.
Bilder zur kostenlosen Nutzung im Druck oder online ausschließlich im Zusammenhang mit dieser Geschichte.


